Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – im Dialog

Teil II der Reihe Social Media für Organisationen

Facebook, Twitter, Livestream, Flickr, Wikis, Etherpads … Welche Werkzeuge des Web 2.0 benutzen Organisation zur Kommunikation für ihre Konversation mit der Öffentlichkeit? In einer neuen Reihe zur institutionellen Kommunikation von Bildungsorganisationen stellen wir Fallbeispiele aus der Praxis vor. Im zweiten Teil stellt Heinz-Hermann Peitz von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart seine Online-Kommunikationsstrategie vor.

Update 01.08.2011: „Gesellschaft im Zeichen von Web 2.0 – Sozialisation, Partizipation und intergenerationelle Solidarität“ – Tagung der AKSB in Kooperation mit der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart vom 21. bis 22. November 2011 im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim: www.aksb.de

Profil

Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart sieht sich als Forum des offenen Dialogs. Ihr Angebot beschäftigt sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen, klassischen theologischen und historischen Fragestellungen in einem breiten Themenspektrum. Behandelt werden die Themen in unterschiedlichen Formaten wie Abend- und Wochenveranstaltungen, Studientagen und Tagungswochen.

Die Akademie unterhält zwei Tagungshäuser in Hohenheim und Weingarten. Heinz-Hermann Peitz leitet als Akademiereferent das Fachreferat „Naturwissenschaft und Theologie“ der Akademie. Er hat die Erfahrung gemacht: „Die Gastfreundschaft fördert den Dialog.“

Teil I der Reihe Social Media für Organisationen: Der FoeBuD – kein Facebook, kein Livestream

Zielgruppe

Das Programm der Akademie richtet sich zum Teil an ein offenes Publikum, bei Fachtagungen auch an entsprechende Fachleute, Studierende und Wissenschaftler. Lehrer und Oberstufenschüler werden von bestimmten Angeboten ebenfalls angesprochen.

Digitale Werkzeuge

Heinz-Hermann Peitz bereitet Tagungen vor, führt sie durch und dokumentiert sie. Dafür setzt er eine Reihe von Kommunikationswerkzeugen ein: Auf Youtube veröffentlicht er Tagungsdokumentationen, er lädt Blogger ein, er informiert über Facebook und twittert.

Die Information kommt zu mir

Heinz-Hermann Peitz ist der Ansicht, dass sich die Kommunikationsstrategie der Akademie danach ausrichten müsse, dass Nutzer erwarten, dass „die Information zu mir kommt, wenn sie interessant ist.“ Das bedeute für die Kommunikationsstrategie der Akademie: „Man muss dahin gehen, wo die Community ist.“ Denn „dann werden die eigenen Inhalte auch rezipiert und kommuniziert.“

Beispielsweise hatte ein Wissenschaftsblogger an einer Fachtagung teilgenommen, der für die von Spektrum der Wissenschaft betriebenen Blogreihe „Chronologs“ schreibt. Sein Blogartikel „Gefrorener Geist – aufgetauter Geist?“ wurde 45-mal qualifiziert kommentiert. Der Beitrag hat nach Ansicht von Heinz-Hermann Peitz damit sein Publikum gefunden.

Ähnliches stellte Peitz mit seiner kritischen Rezension des katholischen Jugendkatechismus fest, die er auf der Website forum-grenzfragen veröffentlicht hatte. Er hatte sowohl auf der Facebook-Fanseite der Akademie, als auch auf  Fanseite von Youcat auf seinen Beitrag hingewiesen. Auf der Youcat-Seite konnte er eine Diskussion hervorrufen, auf der Akademie-Seite nicht. Für Peitz ist daher klar: „Wir müssen dahin gehen, wo diskutiert wird und wo das kritische Potenzial ist. Man kann nicht darauf warten, dass die Leute zu einem kommen.“

Videokonferenzen und Livestreaming

In der Vorbereitungsphase verwendet Heinz-Hermann Peitz immer wieder ein Videokonferenz-Tool namens Spreed. Dasselbe Werkzeug verwendet er auch, um die Tagung live im Internet zu übertragen. Die Übertragungen werden archiviert und schließlich über den Spreed-Server oder die Video-Plattform Youtube veröffentlicht.

Es gibt noch keine fest gelegte Strategie, wie die Akademie mit Livestreaming umgeht. Heinz-Hermann Peitz sagt: „Wir experimentieren im Moment und machen Livestreaming nur in bestimmten Fällen.“ So sei man sich noch nicht sicher, ob sich die Akademie als Tagungsanbieter mit einem Livestreaming-Angebot selbst Konkurrenz mache. Einerseits habe die Tagung vor Ort einen großen Mehrwert, weil die Gastfreundschaft besser zur Geltung kommen könne. Andererseits könnte ein Online-Angebot für diejenigen interessant sein, die nicht persönlich zur Tagung kommen können.

Für die Zuschauer wäre eine Live-Übertragung nur dann interessant, wenn diese einen gewissen Neuigkeitswert liefert oder wenn sich die Zuschauer mit Fragen in das Plenum einbringen können. Das wiederum kann zu Konflikten führen, wenn Leute vor Ort ihre Fragen aus zeitlichen Gründen nicht mehr in dem Maße stellen können wie sie gerne würden. Bei sehr gut besuchten Veranstaltungen, wie etwa einer Tagung mit dem britischen Physiker Stephen Hawking, war es schwierig, vor Ort alle zu Wort kommen zu lassen.

Ein weiterer Aspekt, der bedacht werden muss, ist, dass sich der Kommunikationsraum mit Livestreaming ins Unüberschaubare erweitert. Peitz: „Manche Referenten möchten ihre Vorträge nicht im offenen Bereich halten. Sie genießen die dichte Atmosphäre im Tagungshaus. Sie möchten mit den Teilnehmern ins Gespräch kommen und nicht alles an die große Glocke hängen.“ Dennoch gebe es Raum für Kompromisse: Der Vortrag eines Referenten, der über Nahtoderfahrungen berichtete, wurde aufgezeichnet, doch sehr persönliche Erfahrungen wurden für die Veröffentlichung herausgeschnitten.

Ob es jedoch künftig ein kostenloses oder kostenpflichtiges Angebot geben wird, ist noch nicht entschieden. Peitz: „Wir hatten einen Zuschauer, der sonst immer real vor Ort dabei war. Er wäre bereit gewesen für die Live-Videoübertragung zu zahlen.“ In naher Zukunft wird die Akademie entweder die Tagung oder Module von Veranstaltungen streamen und weitere Erfahrungen sammeln.

Der Youtube-Kanal der Akadamie besteht seit März 2010 und zählt mittlerweilen 830 Upload-Abrufe. Einzelbeiträge wurden bis zu 130-mal abgerufen. Der Beitrag über das Tagungshaus Weingarten wurde bereits über 1000-mal gesehen, unter anderem weil er auf der Website der Akademie eingebettet wurde.

Facebook

Auf Facebook unterhält Heinz-Hermann Peitz sowohl ein persönliches Profil, als auch eine Fanseite für sein Themengebiet „Grenzfragen“. Von der Resonanz ist er nur „mäßig“ begeistert. Gleichwohl findet Peitz auf Facebook immer wieder interessante Kommentare und „Gefällt mir“-Reaktionen. Dass mehr als die gegenwärtigen 102 Fans möglich wären, zeigte sich bei einer Web-2.0-Veranstaltung der Kirche in Münster. Damals konnte die dafür eingerichtete Facebook-Seite binnen zwei Tagen 130 Fans gewinnen.

Problematisch findet Peitz, dass es in sozialen Netzwerken schwierig ist, die Grenze zwischen „privat“ und „dienstlich“ einzuhalten. Seine persönliche Facebook-Seite hält er bewusst „rein dienstlich“. Private Kontakte lehnt er daher ab. Einen Doppel-Account erlauben die Nutzungsbestimmungen von Facebook allerdings nicht.

Eine Facebook-Fanseite der Akademie, die ihr gesamtes Angebotsspektrum abbilden würde, gibt es bislang nicht. Im Moment wird diskutiert, ob eine eingerichtet werden soll. Peitz: „Ich empfehle hier Zurückhaltung, denn es ist auch eine Frage der Ressourcen: Die Seite muss aktuell gehalten werden. Sie muss beobachtet werden, man muss reagieren und antworten.“ Viele Mitarbeiter seien keine Facebook-Mitglieder und hätten daher keine Affinität zu dem Netzwerk. Ein entsprechendes Engagement müsse, gerade aufgrund der Schwierigkeit, privates und berufliches voneinander zu trennen, freiwillig geschehen. Hinzu kommt, dass die Akademie eine sehr breite Themenpalette unterhält – die anzusprechende Zielgruppe wäre entsprechend disparat. Peitz glaubt daher, dass ein themenbezogenes Engagement sinnvoller wäre.

Zurzeit überlegt Peitz, ob die Akademie gemeinsam mit evangelischen Partnern einen Auftritt zu dem gemeinsam Thema „Naturwissenschaft und Theologie“ erstellen soll, um „Kräfte zu bündeln“. Das könnte eine Facebook-Gruppe, eine Fanseite oder ein Google+-Kreis sein.

Twitter

Mit der Resonanz auf seinen Twitter-Account ist Heinz-Hermann Peitz noch nicht zufrieden. Er konnte erst 68 Follower gewinnen. Er verlinkt vornehmlich auf Dokumentationen von Tagungen. Seine MitarbeiterInnen sind insofern erfolgreicher, als sie persönlicher twittern und sich einige „Follower“ aus persönlichen Bekanntschaften von Barcamp- und Web-2.0-Tagung ergeben haben.

Datenschutz

Die Akademie zeigt sich sensibel für Datenschutz-Fragen: So wurde der „Gefällt mir“-Button von Facebook in das Webforum „Grenzfragen“ eingebaut, auch wurde er zu jeder Seite mit einer Tagungsdokumentation hinzugefügt. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wurde er aber wieder entfernt. Jeder Besucher einer mit dem „Gefällt mir“-Button versehenen Website wird nämlich von Facebook mit einem Cookie versehen. Ist dieser Besucher zum Zeitpunkt des Besuchs bei Facebook eingeloggt, weiß Facebook namentlich, wer die Webseite besucht hat. Datenschützer untersuchen derzeit, inwieweit die Nutzung des Buttons rechtlich einwandfrei ist.

Vor der Verwendung des Statistikwerkzeugs „Google Analytics“ warnten Datenschützer bereits. Peitz verwendet daher auch dieses Tool mittlerweile nicht mehr.


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freie IT- und Medienjournalistin. Ihre Berichterstattung befasst sich mit dem Leben in der Informationsgesellschaft und all seinen Chancen und Schwierigkeiten. Sie bloggt in ihrem Gruppenblog KoopTech über das revolutionäre Potential kooperativer Technologien bzw. von Social Media sowie über Whistleblowing, Leaking, Presse- und Meinungsfreiheit und andere Themen der deliberative Demokratie auf ihrer privaten Website. (Foto: H. Lohmeyer / Jokers)

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