Webschau Juli 2011

Grafik von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Die Diskussionen im Netz drehten sich den vergangenen Wochen im Wesentlichen um Googles neuen Versuch, im Bereich der sozialen Medien Fuß zu fassen: Google+ heißt der neue Dienst, zu dem wir ein paar Lesetipps zusammengestellt haben.

Lesetipps: Wem macht Google+ wirklich Konkurrenz?

Google+ wird in vielen Artikeln als lang erwartete Alternative zu Facebook begrüßt. Zuckerberg zog inzwischen mit dem Start einer Videochat-Funktion nach und reagierte damit auf eine der Funktionen, die Google+ bietet.
Sascha Lobo führt in seiner Kolumne auf spiegelonline.de nun aus, warum Google+ eher Twitter als Facebook Konkurrenz macht: „Auf Google+ sind Kontakte eher Informationsquellen und weniger soziale Verbindungen, auf Facebook ist es umgekehrt.“ Der neue Dienst würde „der personalisierten, sozialen, interaktiven Redaktion für jedes denkbare Ressort“ entsprechen.
Zum Weiterlesen: http://www.spiegel.de/thema/googleplus/http://www.sueddeutsche.de/thema/Google_Plus
#google+ #saschalobo #facebook #twitter


Kurzmeldungen

Internet-Kommission vertagt wichtige Entscheidungen

Über die entscheidenden und besonders umstrittenen Themen haben sie nicht abgestimmt: Die Internet-Enquete des Bundestags hat Handlungsempfehlungen zu Netzneutralität und Datenschutz vertagt, erst nach der Sommerpause soll weiter darüber verhandelt werden. Damit kann die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ die zeitlichen Vorgaben des Bundestags nicht erfüllen, so spiegelonline.
#internet-enquete #netzneutralitaet #datenschutz

Extreme Einstellung zur Datensicherheit

Viele deutsche Web-Nutzer haben eine extreme Einstellung zur Datensicherheit, berichtet heise.de. Die einen seien fahrlässig und leichtsinnig, die anderen übervorsichtig im Internet unterwegs. Laut Studie fehlen fast der Hälfte der Internet-Nutzer Informationen, was sie selbst für den Schutz ihrer Daten im Internet tun können.
#datensicherheit #einstellungen

Premier Cameron wirbt für offene Daten

Es sei beeindruckend, mit welcher Konsequenz die britische Regierung Open Data als Teil ihres Handelns versteht, meint zeit.de. Es gehe darum, schreibt Cameron, den Bürgern Informationen an die Hand zu geben, damit diese informierte Entscheidungen treffen können: Welche Schule wähle ich für mein Kind, welches Krankenhaus bietet die besten Behandlungsmöglichkeiten?
#opendata #opengovernment

Besser regieren mit dem Internet

Mehr Durchblick und bessere Mitmachmöglichkeiten. Das fordert die Open-Government-Bewegung vom Netzengagement der Bundesregierung. Bislang hält man sich diesbezüglich in Deutschland noch zurück – und verschenkt so die Möglichkeit, Bürger und Staat einander wieder näherzubringen. Artikel auf spiegelonline.
#mitmachen #opendata #opengovernment

Murdoch wird Myspace los

35 Mio. Dollar soll die News Corp. für das Netzwerk bekommen haben, schreibt ftd.de. Murdoch hatte MySpace 2005 für 580 Mio. Dollar gekauft und investierte noch stark in die Weiterentwicklung der Website. Die Myspace-Nutzerzahlen stagnierten, während der jüngere Rivale Facebook vorbeizog und mittlerweile rund 600 Millionen Mitglieder verzeichnet.
#myspace #murdoch

Fehlende Medienkompetenz

Eine „kleine konstruktive Kritik am ‘Elektrischen Reporter‘“ ist auf telepolis nachzulesen:
„Frontmann Mario Sixtus nimmt sich des notorisch unklaren Begriffs an und fordert eine Art terminologisches Moratorium: Das böse M-Wort möge doch bitte so lange nicht mehr verwendet werden, bis wir es endlich mit Inhalten gefüllt haben, die den komplexen Anforderungen des Internet-Zeitalters gerecht werden.“ Der Beitrag werbe dafür, die Trennung zwischen Offline- und Online-Lebensraum aufzugeben. Ein differenzierter Blick auf die vielfältigen Verflechtungen zwischen Online- und Offline-Welt sei aber laut Autor Axel Krommer notwendig, um dem Problem gerecht zu werden.
#medienkompetenz #elektrischerreporter


Debatte: Facebook-Partys

Um was geht es eigentlich bei der Debatte um das Verbot von Facebook-Partys? Wer diskutiert da wie über das Netz? Was sagen die Forderungen der Politiker über deren Verständnis des Mediums Internet aus?

Auf Welt.de war zu lesen: „Wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen Facebook-Partys im Vorweg verboten werden”, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) der “Welt am Sonntag“, andernfalls müssten sie mit Platzverweisen aufgelöst werden. Der NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) schloss sich an.

Die Süddeutsche schreibt: „Muss der Staat Facebook-Partys verbieten? Urplötzlich steht diese völlig unnötige Frage im Raum – aufgeworfen von Menschen, die offensichtlich das Internet nicht verstehen wollen.“ Feierexzesse hätten sehr wenig mit dem Netz zu tun: „Ob sich nun die angeblich saufenden Horden per Telefon, Twitter, Facebook oder Schulhoftratsch zum Massenumtrunk verabreden, ist vor allem eine organisatorische Frage.“

Die Zeit schreibt in diesem Zusammenhang darüber, „wie ausgerechnet das Internet eine Renaissance des öffentlichen Lebens befeuert“. Ein zweiter Band zum Strukturwandel der Öffentlichkeit müsse her: „Trotz aller Privatisierungstendenzen ist der Drang nach draußen, hinein ins Öffentliche, ungeheuerlich. Überall wird gejoggt, geskatet, gewalkt, vielerorts werden Fitnessgeräte in den öffentlichen Raum gestellt. […] Das eine Lieblingswort der Gegenwart ist ‘vernetzt’, das andere ‘atmungsaktiv’. Aber nicht nur die körperliche Ertüchtigung treibt die Menschen hinaus auf Straßen und Plätze. Bei vielen wächst auch die Bereitschaft, sich auf ungewohnte Spielformen des Öffentlichen einzulassen. Und erst die digitale Technik ermöglicht diese Spielformen. Die virtuelle Welt ist also nicht der Feind des öffentlichen Raums, wie lange behauptet wurde. Je weiter sich das Leben ins Reich des Digitalen verlagert, umso größer scheint das Bedürfnis nach Realräumen zu werden, nach jener ‘Kraft der Intersubjektivität’, von der Jürgen Habermas spricht und die auch eine körperliche Erfahrung ist. Einerseits ebnet das Internet viele Wege in die Anonymität und Vereinzelung; zugleich erleichtert es aber das Kollektivdenken, das in sogenannten Crowd-Sourcing-Projekten wie Wikipedia zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt solche digitalen Gemeinschaftsprojekte und erst recht jene Freiheit der Meinungsäußerung, jenes Moment der Selbstermächtigung, das durch das Internet befördert wird und das aus jedem Nutzer einen potenziellen Produzenten macht, verändern die Vorstellung von dem, was Öffentlichkeit bedeutet.“
#facebookpartys #verbot #strukturwandel #oeffentlichkeit


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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