Das Recht am eigenen Bild Teil I: die Theorie

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – und manch eine/r möchte hinzufügen: und macht mehr Probleme als wenige Worte. Dabei ist das Recht am eigenen Bild kein Buch mit sieben Siegeln: Worauf Sie bei der Verwendung von Fotos, die Menschen abbilden, zu achten haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wessen Erlaubnis benötige ich für eine Bildveröffentlichung?

An einem Foto, auf dem mindestens ein Mensch abgebildet ist, gibt es zunächst zwei Parteien, die Rechte an dem Bild besitzen können:

  1. die abgebildete(n) Person(en)
  2. der oder die Fotograf/in

Von beiden benötigen Sie im Normalfall eine explizite Erlaubnis, das Bild veröffentlichen zu dürfen. Nur in Ausnahmefällen können Sie auf die Erlaubnis der abgebildeten Person verzichten. Wer das Foto geschossen hat, dessen oder deren Genehmigung müssen Sie allerdings immer einholen. Wenn ein Bild unter einer Creative-Commons-Lizenz steht, die Ihnen die Weiterverbreitung erlaubt, ist dies eine solche Genehmigung.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Es gibt Fälle, in denen Sie keine explizite Einwilligung der abgebildeten Person(en) benötigen, um das Bild z.B. in Ihrem Blog oder auf Ihrer Website zu verwenden (§ 23 KunstUrhG):

Das Recht am eigenen Bild Teil II: die Graustufen der Praxis
  • Absolute Personen der Zeitgeschichte
    Z.B. Fotos von Angela Merkel, Günther Jauch, Ihr/e Wahlkreisabgeordnete/r, der/die Bürgermeister/in oder der/die Sparkassen-Chef/in. Das sind Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und deren Fotos Sie verwenden dürfen (sofern der/die Fotograf das erlaubt, siehe oben).
  • Relative Personen der Zeitgeschichte
    sind Menschen, die aufgrund eines besonderen Ereignisses kurzzeitig in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, z.B. Beteiligte bei Aufsehen-erregenden Prozessen oder der unrasierte Bürger, der von einem Politiker getadelt wird. Auch deren Fotos dürfen Sie verwenden, solange dies im Zusammenhang mit dem besonderen Ereignis steht.
  • Menschen, die nicht der zentrale Bestandteil der Bildaussage sind
    Wenn Sie z.B. ein Foto der Münchner Feldherrenhalle schießen und es auf Ihrem Blog veröffentlichen, müssen Sie nicht jede Passantin um Erlaubnis fragen. Dabei ist die reine Anzahl der abgebildeten Personen übrigens unerheblich, es können mehr oder auch weniger als sieben Menschen sein. Wichtig hierbei ist, dass der zentrale Bildgegenstand nicht die abgebildeten Menschen sind und das Bild auch ohne sie seine volle Wirkungskraft entfalten würde.
  • Fotos von öffentlichen Veranstaltungen
    Fotos von öffentlichen Veranstaltungen dürfen Sie verwenden, um damit die Atmosphäre der Veranstaltung zu zeigen. Dabei dürfen auch einzelne Personen aus dem Publikum identifizierbar sein. Wichtig ist, dass das Foto die Veranstaltung charakterisieren soll, nicht die abgebildeten Personen und das es eine öffentliche Veranstaltung, z.B. eine Demonstration war. Auch die meisten Veranstaltungen von Bildungsträgern dürften in diesem Sinne „öffentlich“ sein, wenn sich, auch gegen Entgelt, grundsätzlich jede/r anmelden kann und nicht ausschließlich namentliche Einladungen vergeben werden.

Was heißt „veröffentlichen“?

In § 22 KUrhG schreibt der Gesetzgeber: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“ Zentral sind die beiden Begriffe „verbreiten“ und „öffentlich zur Schau stellen”. Entscheidend ist: Wird das Bild einem größeren Personenkreis bekannt? Das Einstellen auf eine Facebook-Fanpage ist danach ohne Einwilligung nicht erlaubt, weil Fanpages auf Facebook – anders als persönliche Profile – immer öffentlich aufrufbar sind, z. B. auch durch Suchmaschinen wie Google oder Bing. Wenn Sie die Bilder allerdings in einem passwortgeschützten Bereich auf Ihrer eigenen Website vorhalten und das Passwort nur die Teilnehmenden eines Seminars bekommen, dürfte dies in der Regel keine öffentliche Zurschau-Stellung sein.

Wie kann ich das Einverständnis einholen?

Wenn Sie das Einverständnis abgebildeter Personen einholen müssen, ist es rechtlich am sichersten, sich diese Erlaubnis schriftlich geben zu lassen, aber das ist nicht immer praktikabel. Sie können auch bspw. folgendes unternehmen:

  • Machen Sie zu Beginn einer Veranstaltung darauf aufmerksam, dass Fotos gemacht und anschließend im Internet veröffentlicht werden. Wer dies nicht wünsche, solle bitte beim Fotografiertwerden darauf hinweisen. Bei einem Rechtsstreit reicht diese Ankündigung vermutlich nicht aus, aber sie kann helfen, einen Streit frühzeitig zu vermeiden.
  • Wenn Sie die Namen der abgebildeten Personen kennen, können Sie sie auch vor einer Veröffentlichung z. B. per E-Mail um Erlaubnis bitten.

Allein die Tatsache, dass jemand direkt in die Kamera lächelt, ist übrigens keine stillschweigende oder sonstige Erlaubnis für eine Veröffentlichung. Der/die Abgebildete scheint zwar mit dem Fotografiertwerden einverstanden zu sein, aber das muss nicht für eine Veröffentlichung gelten. Hierfür brauchen Sie eine gesonderte Erlaubnis.

Wenn Sie Fotos von Kindern oder Jugendlichen veröffentlichen, benötigen Sie das Einverständnis beider (!) Erziehungsberechtigten ( §§ 1627, 1629 BGB), am besten schriftlich, wobei die Altersgrenze, ab wann ein/e Jugendliche/r selbst entscheiden darf, je nach persönlichem Reifegrad fließend ist. Näheres hierzu finden Sie beim Landesjugendamt Brandenburg, hier Punkt 3.

Darf man diese Fotos ohne die Zustimmung der abgebildeten Personen veröffentlichen?

Weil ein Bild doch mehr als 1.000 Worte sagt, folgen nun einige Beispiele von Fotos mit Menschen. Alle Fotos stammen von Thomas Pfeiffer (Autor dieses Artikels), die Zustimmung des Fotografen liegt also vor.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Dieses Foto dürfen Sie veröffentlichen, auch wenn man einzelne Personen identifizieren kann. Die zentrale Bildaussage sind nicht einzelne Personen, sondern die Atmosphäre bei einer öffentlichen Veranstaltung.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Ein Sprecher einer Veranstaltung bereitet sich auf seinen Auftritt vor. Obwohl man sei Gesicht nicht sieht, könnten Bekannte und Teilnehmende der Veranstaltung ihn identifizieren: ein Grenzfall. Zudem ist es wichtig, ob die Veranstaltung eine „Versammlung, ein Aufzug oder ein ähnlicher Vorgang“ war: wurde dazu öffentlich eingeladen, konnte jede/r kommen bzw. sich anmelden?

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Die Teilnehmerin einer öffentlichen Veranstaltung im Publikum. Sie ist leicht identifizierbar und zentraler Bestandteil des Bildes, ohne die Veranstaltung als solche zu thematisieren. Ohne ihre Zustimmung dürfen Sie das Foto nicht öffentlich zur Schau stellen.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Eine Rednerin auf einer öffentlichen Demonstration. Sie dürfen das Foto ohne ihre Zustimmung verwenden, weil die Demonstration öffentlich war. Die Person links vorne im Bild oder die anderen klar erkennbaren Personen sind nicht zentraler Bestandteil des Bildes und müssen deshalb eine Veröffentlichung hinnehmen.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag auf einem öffentlichen Infostand. Sie ist Person der Zeitgeschichte, tritt hier in ihrer politischen Funktion auf und muss eine Veröffentlichung hinnehmen.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

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Obwohl alle vier in die Kamera lächeln, geben sie Ihnen damit nur die Erlaubnis zum Fotografieren, nicht aber zur Veröffentlichung: Deshalb Zustimmung einholen!

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Ein Redner während einer öffentlichen Veranstaltung während seines Vortrags. Dieses Foto dürfen Sie verwenden, um die Veranstaltung darzustellen.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

Zwei Erwachsene sollen sinnbildlich für den Charakter einer öffentlichen Veranstaltung stehen (hier: Demonstration im Regen). Ob der Regen für die Charakterisierung ausreicht, dürfte zweifelhaft sein. Eine Veröffentlichung ohne deren Einverständnis ist nicht erlaubt.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

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Zwei jugendliche Teilnehmer einer öffentlichen Demonstration. Dies ist ein Grenzfall. Einerseits soll das Bild den Charakter der Demonstration darstellen, andererseits werden Jugendliche zentral ins Bild gesetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass beide noch Kinder bzw. Jugendliche sind.

Foto von Thomas Pfeiffer, nicht unter freier Lizenz.

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Eine einzelne Person während einer Demonstration. Dieses Bild lässt aber die Demonstration wesentlich in den Hintergrund rücken, deshalb benötigen Sie die Zustimmung dieses Mannes zur Veröffentlichung des Bildes.

Vielen Dank für die rechtliche Hilfe an die Rechtsanwälte Thorsten Siefarth aus München und Nils Pütz aus Regensburg.

Den zweiten Teil der Reihe „Die Graustufen der Praxis“ finden Sie hier.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Thomas Pfeiffer für pb21.de.
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Thomas Pfeiffer ist Diplom-Pädagoge und Programmierer. Er schrieb die Bücher „Social Media“ und „Mein Kind ist bei Facebook – Tipps für Eltern“. Zudem entwickelt er Facebook-Spiele und programmiert für Blogs und Twitter. Pädagoge erklärt er jungen und alten Menschen das Internet und engagiert sich im Bereich Netzpolitik und Digitaler Wandel. Er bloggt unter http://tomro.seund lebt und arbeitet in München.

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