Facebook und Google sind erneut in die Kritik von Datenschützern geraten, Michael Seemann sagt, dass mehr politische Beteiligung nur über weniger datengeschützte Bürgerinnen und Bürger zu bekommen ist und Markus Beckedahl erklärt, was er an „Acta“ kritisiert. Dies und mehr in der Webschau für Februar 2012: 

Digitale Öffentlichkeit:
Wie das Internet unsere Demokratie verändert

Die 2010 vom Julius-Leber-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe untersucht die Auswirkungen des Kommunikationswandels auf unsere Demokratie.
Nun liegt ein Zwischenbericht vor, der sich dem Thema sowohl von der praktischen als auch von der wissenschaftlichen Seite nähert. Autoren sind u.a.: Alvar Freude, Daniel Domscheit-Berg und Dr. Johannes Caspar (hier geht es direkt zum pdf der Veröffentlichung).
#demokratiewandel #digital #oeffentlichkeit

 


Kurzmeldungen

„Acta könnte zu größerer Überwachung der Nutzer führen“

Acta ist das EU-Pendant zu Sopa: Markus Beckedahl erklärt auf zeit.de, warum der europäische Versuch, illegales Filesharing zu bekämpfen, aus seiner Sicht ebenso gefährlich ist wie der amerikanische: „Einer der Hauptkritikpunkte an Acta von uns ist, dass die Texte sehr vage gehalten sind und eine Strafbarkeit bei Urheberrechtsverletzungen eingeführt werden kann, die es bislang nicht gab. […] Die Providerhaftung wird neu interpretiert, wodurch Plattformbetreiber viel mehr Verantwortung erhalten, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Das könnte zu einer größeren Überwachung der Nutzer und einer Einschränkung der Meinungsfreiheit im Netz führen.„
#acta #sopa #ueberwachung #urheberrecht

Parteien und der Wahlkampf

Zwei Blogartikel machen sich Gedanken um Strategien von Parteien im Web 2.0: Sven Przepiorka stellt „grundsätzliche Thesen für parteipolitische Auftritte im Internet“ auf und rät dabei von der Abschottung in eigenen sozialen Netzwerken ab. Teresa Bücker meint, dass es, im übertragenen Sinne, eine lokale Verankerung für Parteien brauche: „Orte des Netzes zu kennen meint tatsächlich, dort auch zu wohnen und sich dort selbstverständlich zu bewegen.„
#netzbesucher #netzbewohner

Facebook: Chronik wird Pflicht 

… darüber berichtet u.a. stern.de: Die im Dezember eingeführten neuen Facebook-Profile in Form einer Lebenschronik werden für alle Mitglieder des Online-Netzwerks Pflicht. Wenn man sein Profil aufsuche und die Freischaltung der Funktion bestätige, starte die Frist von sieben Tagen, in der ein Facebook-Mitglied sein Profil noch vorab aufräumen kann. Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar findet diese Zeit zu kurz. Zudem könne der soziale Druck weiter steigen, Daten im Netz preis zu geben.
#facebook #chronik

Googles neue Profilpakete

Google führt die Nutzerdaten aller seiner Dienste zusammen: Was wir (bei Google Angemeldeten) auf Youtube schauen, wird zusammengebracht mit den Daten, die bei der Suche im Netz und beim (Google-)Mailen anfallen. Auf heise.de gibt der Jurist Julian Höppner eine Einschätzung zu den neuen Datenschutzbedingungen von Google. So seien viele Formulierungen vage: „Konkrete Angaben darüber, wie und zu welchen Zwecken denn nun welche Daten tatsächlich verarbeitet werden, finden sich gerade an den neuralgischen Punkten nicht.„
#google #datenschutz

Der Tod des Cyberflaneurs

Evgeny Morozov schreibt auf spiegel.de: „Das Spazierengehen, das Flanieren im Netz stirbt einen langsamen Tod. Schuld sind Facebook und Google. Effizienzversessenheit und die Tyrannei des Sozialen machen dem Cyberflaneur den Garaus.“ Die Praxis des Cyberflanierens stehe im Widerspruch zur Welt der sozialen Medien: Diesen läge die Vorstellung zugrunde, dass „die individuelle Erfahrung der kollektiven irgendwie unterlegen ist.„
#morozov #cyberflaneur

Das „Partizipations-Transparenz-Dilemma“

Softwarebasierte Beteiligungsformen wie zum Beispiel Liquid Feedback legen das Abstimmungsverhalten von denen, die sich beteiligen, offen. Darüber gibt es - z. B. innerhalb der Piratenpartei - eine Diskussion: Michael Seemann (@mspro) schreibt dazu: „Liquid Democracy hat gezeigt, dass die Piratenpartei seit ihrer Entstehung eine logische Inkonsistenz mit sich schleppt. Ihre drei wichtigsten Grundwerte: politische Transparenz, politische Partizipation und Datenschutz wollen sich in dieser Trias nicht zusammenfügen.„
#mspro #transparenz #partizipation

Anonymität von Netzaktivisten in Gefahr

Überwachungstechnologien werden immer ausgefeilter, dabei werden z. B. Texte anhand des Schreibstils auf die VerfasserInnen zurückgeführt. futurezone.at schreibt dazu: „Netzaktivisten werden es 2012 noch schwerer haben, unter dem Deckmantel der Anonymität zu operieren. Während autoritäre Staaten, allen voran China, Anonymisierungs-Diensten wie ‚Tor‘ das Leben schwer machen, sind bereits Technologien und Methoden verfügbar, die die Identifikation von Personen über deren Online-Transaktionen und Blog-Artikel ermöglichen.„
#stilometrie #anonymitaet #ueberwachung

 


Debatte: „Geschlossene Systeme“

Martin Weigert schreibt auf netzwertig.com über geschlossene Ökosysteme im Netz: Das Internet in seiner bisherigen Form werde nicht nur durch Regierungen und fortschrittsfeindliche Unternehmen bedroht. Die Demontage eines offenen Netzes findet auch von „innen“ statt. „Denn die gewachsenen Internetkonzerne […] verabschieden sich vom ursprünglichen Gedanken eines offenen Internets ohne kontrollierende Eingriffe durch Gatekeeper.“ Und wir Nutzerinnen und Nutzer würden ihn mögen, den sicheren und bequemen eingezäunten Garten.

Paul Sollbach trägt auf etwas anderer Ebene auf cicero.de zur Debatte bei: In seinem Artikel „Liebe deinen Geiselnehmer“ sagt er, dass das Geschäftsmodell der geschlossenen Systeme - er bezieht sich auf die Apple-Strategie - veraltet sei. Zu starr sei es, weil es hermetisch abgeschossen ist. Google würde es richtig machen mit seinem offenen Betriebssystem. „Das mobile Betriebssystem wird bereits von über 30 Herstellern verbaut, kann theoretisch jedes Zubehör ansprechen und erlaubt jeder App grundsätzlich die Freischaltung.„
#google #apple #oekosystem #zukunft


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