Webschau März 2012

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Die Katastrophe in Fukushima hat sich am 11.3. zum ersten Mal gejährt. In dieser Webschau verweisen wir auf eine gerade abgeschlossene Auswertung der damaligen Informationsquellen. Facebook und Google gehen ungeachtet der Proteste von Nutzerinnen und Nutzern sowie Datenschützern ihren Weg in Richtung Zusammenführung von Daten und Profilen weiter. Und sonst? Es war Cebit, EduCamp und Gautinger Internet-Treffen, und der ehemalige Bundespräsident bekommt jede Menge Klicks.

Lesetipp: Wie funktioniert eigentlich Werbung im Netz?

Das Grimme-Institut hat dazu eine Broschüre zusammengestellt. Sie verschafft einen Überblick über die unterschiedlichen Formen der Internet-Werbung, erklärt sie kurz und gibt konkrete Empfehlungen. Im Fazit heißt es: „In Zukunft wird die Werbung immer stärker auf die Internetnutzer zugeschnitten und in andere Zusammenhänge eingebunden, so dass Datenschutz und Jugendschutz für regulierende Maßnahmen sorgen müssen. [...] Individuelle Einstellungen im Browser und Datensparsamkeit in sozialen Netzwerken helfen, um personalisierte Werbung zu reduzieren.“
#internet #werbung #grimme


Kurzmeldungen

„Rasanter Quark“ aus der Politik zum Auftakt der Cebit 2012

Ein Verriss des von Wirtschaftsminister Philipp Rösler verfassten Geleitworts zur Cebit 2012 ist in der Technology Review zu lesen:
„[...] Am besten ist aber, was alles nicht drin steht. Kein Wort über ACTA, kein Kommentar zur Diskussion um geistiges Eigentum, dem schnarchend langsamen Ausbau der Breitband-Infrastruktur in Deutschland, Schutz vor Spam, Informationelle Selbstbestimmung oder Sicherheit im Netz.[...] Wer das liest, dem drängt sich der Eindruck auf, dass diese Regierung sich auf einem Blindflug in das 21. Jahrhundert befindet. Der technologische Wandel ist zwar rasant, aber keiner weiß eigentlich, worum es dabei geht – geschweige denn, wie die wichtigsten Fragen lauten.“
#cebit2012 #roesler

Regierungssprecher Seibert gibt ein Twitterview

Der Regierungssprecher Steffen Seibert (@RegSprecher) stand Twitter-NutzerInnen erstmals für ein „Twitterview“ zur Verfügung. Patrick Beuth findet auf zeit.de, dass der Versuch misslungen ist: „Komplexe Themen lassen sich in 140 Zeichen kaum erklären, wenn man zu offiziellen Erklärungen gezwungen ist. Wer es dennoch versucht, erweckt den Eindruck, sein Gegenüber mit knappen Worthülsen abspeisen zu wollen.“
#seibert #twitterview

Facebook-Account beschlagnahmt

„Bei Facebook konnten bisher nur öffentliche Daten eingesehen werden. Das will ein Richter ändern. Denn über das Netzwerk sollen wichtige Informationen für einen Einbruch verschickt worden sein: [...] um den Angeklagten zu überführen, hat der Richter den Facebook-Account beschlagnahmt“, berichtet taz.de. Die Financial Times Deutschland meldet in der Print-Ausgabe, dass der Richter inzwischen die Datenschutz-Managerin von Facebook vorgeladen hat, da das Unternehmen die Herausgabe verweigert.
#facebook #richter #beschlagnahme

Google zieht’s durch 

„Trotz massiver Proteste hat Google am 1. März seine umstrittene neue Datenschutzerklärung weltweit in Kraft gesetzt. Der Internet-Riese vereinheitlicht damit die Richtlinien für mehr als 60 einzelne Dienste und wertet gleichzeitig die Nutzerdaten aller Produkte gesammelt aus. Mit der Einführung der neuen Regeln setzte sich das Unternehmen über Bedenken von Datenschützern und Politikern in Europa und den USA hinweg, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert hatten.“, so heise.de.
Dazu passen die Vorschläge des ZDF-Hyperland-Blogs: „Leben ohne Google in zehn Schritten.“
#google #datenschutz

Medienbildung ist politische Bildung

Nachdem Siebtklässler in der Schule selbständig die Diskussion um ACTA zum Thema gemacht hatten, schreibt der Lehrer Heiko Schneider auf seinem Blog kreisefressen.de: „Wir müssen Medieneziehung als genuin politische Bildung verstehen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder im Netz von plakativen, hippen oder auch rückwärtsgewandten Positionen überrumpelt werden. Es geht bei Medienbildung nicht um die bunteste Prezi und den kürzesten Twitterbeitrag, es geht schlichtweg darum, sich seiner Vernunft bedienen zu können.“
#ACTA #medienbildung

Nutzer, kämpft gegen Eure Unmündigkeit

Kai Biermann schreibt auf zeit.de gegen die Intransparenz von Facebook: „[...] nur der Aufgeklärte kann eine freie Entscheidung treffen. Oder, frei nach Immanuel Kant: Aufklärung ist der Weg aus der Unmündigkeit.“ Facebook aber werde immer undurchsichtiger. Nutzerinnen und Nutzer müssen endlich mehr Druck auf Facebook machen, so seine Forderung, anders sei eine Kontrolle der mächtigen Firma nicht möglich.
#facebook #transparenz #muendigkeit

Die Affäre Wulff auf storify.com

„Der Privatkredit, die Nachricht auf Diekmanns Mailbox, die Entschuldigung im TV und der Rücktritt: Der Fall Wulff und die Reaktionen.“ All das ist zusammengefasst und journalistisch begleitet auf der Storify-Seite der Frankfurter Rundschau. Bereits über 900.000 Mal ist sie bislang aufgerufen worden.
Und Bundespräsident Gauck? Nach einem nicht-öffentlichen Gespräch mit den Abgeordneten der Piratenpartei in Berlin sagte Fraktionschef Martin Delius, Gauck habe „Angst vor dem Effekt des Internets auf die Demokratie und befürchtet eine Aushöhlung“, berichtet golem.de.
#bundespraesident #storify

Netzwerke lesen: Wer hat in der Fukushima-Debatte die lauteste Stimme im Internet?

„Die Dreifachkatastrophe vom 11. März vergangenen Jahres hat im Internet eine schier unüberschaubare Gemengelage von Stimmen hervorgebracht: staatliche vs. zivilgesellschaftliche Quellen. Der Medienwissenschaftler Jean-Christophe Plantin hat sie untersucht und seine Analyse in einer Karte visualisiert.“ (pb21.de berichtete bereits über das Projekt.) In einem Artikel in der Berliner Gazette fasst er seine soeben abgeschlossene Studie zur Online-Debatte über Fukushima zusammen.
#fukushima #analyse #visualisierung

Veranstaltungen: EduCamp in Köln und Internet-Treffen in Gauting

Was ist ein EduCamp überhaupt? Eine Mischung aus BarCamp und „irgendwas mit Bildung“. Mehr kann man diesem schönen Video erfahren. Am vergangenen Sonntag ist das EduCamp in Köln zu Ende gegangen, es ging um neue Lernformen, die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer dabei und natürlich um die Veranstaltungsform selbst. Eine Zusammenfassung kann man sich hier anhören. (Und dort nachlesen.)
Beim 13. Internet-Treffen in Gauting (20. und 21.03.) geht es einmal quer durch alle Fragen zum E-Government, zur E-Partizipation und Open Data, alles mit dem Fokus auf Jugendliche.
#ecco12 #git13


Debatte: Die Kampagne „Kony 2012“ – Kampf für Gerechtigkeit oder Manipulation?

Thomas Konica wirft auf telepolis.de einen Blick hinter die Fassaden der in sozialen Netzwerken losgetretenen Kampagne „Kony 2012“:

„Die Lord’s Resistance Army (Widerstandsarmee des Herrn – LRA) kann getrost als eine der brutalsten Milizen des subsaharischen Afrikas bezeichnet werden. [...] Somit schien die Kampagne Kony 2012 ein nobles Ansinnen zu verfolgen, das darin besteht, den LRA-Anführer Joseph Kony zur Verantwortung ziehen. Die fachkundig initiierte Aktion breitete sich explosionsartig in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook aus [...]. Der emotionalen Empörung über die Massaker in Uganda folgt innerhalb kürzester Zeit die Kritik der Motive und Mittel der Kampagnenmacher. Der freie und schnelle Fluss der Informationen innerhalb einer beständig wachsenden globalen Internetgemeinde scheint somit das beste Gegengift zu solchen Manipulationskampagnen zu sein. Es ist, als ob das Internet ein globales Bewusstsein, ein Weltbewusstsein zutage bringen würde, das genügend kritisches Potenzial entwickelt, um bei aller Empörung über das alltägliche Morden auch dessen Instrumentalisierung schnell als solche zu entlarven.“
#kony2012


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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