Beispiel Wallwisher (Screenshot)Ganz gleich ob in der Schule, an der Volkshochschule, an der Uni oder in außerschulischen Bildungsstätten, die Kreidetafel ist der Klassiker unter den Werkzeugen für den Bildungsbetrieb. Im digitalen Zeitalter würde manch einer vielleicht sagen, dass die Tafel nur sehr wenige „Funktionen“ oder „Features“ bietet. Aber vielleicht ist sie nicht dennoch, sondern deswegen so beliebt. Die Tafel ist ein einfaches und deswegen enorm vielfältig einsetzbares Medium. Vielerorts hängen inzwischen digitale Whiteboards an den Wänden – um die es im Folgenden NICHT gehen soll, zumal diese meist nicht besonders „zwei-punkt-nullig“, sondern eher für optimierten Frontalunterricht genutzt werden. Stattdessen werden digitale Tafeln vorgestellt, die gemeinsam über  Internet beschrieben werden können. Anhand von zwei Web-Tafeln („Stixy“ und „Wallwisher“) werden Funktionen und anhand von zahlreichen Beispielen die Einsatzmöglichkeiten dieser Dienste erläutert.

Das Grundprinzip der digitalen Tafel

Die Funktionsweise einer digitalen Tafel ist einfach vergleichbar zu den analogen Vorbildern. Stixy und Wallwisher stellen im Internet digitale Tafelflächen zur Verfügung. Jeder Tafel wird automatisch eine eigene Webadresse zugewiesen. Jeder der diese URL hat, kann nun auf diese Tafel zugreifen und sie gestalten. Hinter beiden Tafeln verbirgt sich erst einmal nichts anderes als eine freie (Bild-)Fläche, die beschrieben und mit unterschiedlichen Medien (Filme, Bilder und verschiedene Dokumente) beklebt werden kann. Stixy nennt seine Tafeln „Stixyboard“, bei Wallwisher ist es die „Wall“. Beide Anbieter erlauben eine individuelle Gestaltung der Tafel durch Überschriften, Hintergründe und Farben. Im Gegensatz zu Wallwisher ist bei Stixy ein Login notwendig, um verschiedene Optionen nutzen zu können.

Die digitale Tafel erlaubt Nutzern das Anbringen von Text-Notizen auf der Tafel. Auch  Fotos, Videos, Dokumente und Links können dort platziert werden. Dafür können sowohl Materialien eingebunden werden, die bereits online zu finden sind oder die auf der eigenen Festplatte liegen. Letztere werden dann per Upload bereitgestellt. Damit ist die technische Funktionalität der digitalen Tafeln im Grunde schon beschrieben. Die spannendere Frage ist, inwiefern sich diese digitale Tafeln in die Bildungsarbeit einbinden lassen. Im Folgenden werden verschiedene Beispiele gegeben, wie sich eine digitale Tafel kreativ im Bildungskontext einsetzen lassen kann.

Brainstorming / Erwartungen und Visualisierung einer Recherche

Die digitalen Tafeln können als Visualisierungstool für Brainstormingeinheiten und zur Abfrage von Erwartungshaltungen z. B. am Seminarbeginn genutzt werden. Für beide Optionen gilt gleichermaßen: Die digitalen Tafeln lassen sich als zentrale Sammelstellen von Ideen und Rückmeldungen einsetzen. Die Teilnehmenden können ihre Gedanken und Ergebnisse auf der Tafel platzieren. So kann schnell ein Gruppenergebnis kreiert und festgehalten werden. Eine plenare Zusammenkunft ist in der Erstellungsphase nicht von Nöten, kann aber zur Präsentation der Ergebnisse durchgeführt werden. Die Teilnehmenden können immer live mitverfolgen, was die anderen Beteiligten auf die Tafel schreiben bzw. kleben. Die Tafel kann je nach Bedarf im Seminarverlauf immer wieder zu Rate gezogen oder weiter bearbeitet werden.

Eine digitale Tafel kann darüberhinaus auch als Pool einer (Internet-)Recherche verwendet werden. Alle Dinge, die für die Bearbeitung eines Themas wichtig sind, können hier hinterlegt werden, so dass Gruppen Rechercheergebnisse zentral sammeln und auswerten können.

Digitale Tafel als Präsentationsform

Wer zu Präsentationszwecken nicht Powerpoint oder Prezi nutzen möchte, kann auf die digitalen Tafeln als Präsentationstool zurückgreifen. Ein Thema kann hier über Text mit zusätzlicher Unterstützung von Bildern und Videos vorgestellt werden. Da Links eingefügt werden können, gibt es letztlich keine Grenzen für die Einbindung von Online-Inhalten. Bei den digitalen Tafeln entfallen natürlich Präsentationsmodi und die damit verbundenen Darstellungsmöglichkeiten und Effekte. Wer aber ein Thema auf  der Grundlage einer digitalen Materialsammlung  schnell und unkompliziert zeigen möchte, kann dies mit Hilfe einer digitalen Tafel tun. Das Publikum bekommt ein Gesamtbild präsentiert. Der Vortragende kann die einzelnen Notizen und digitalen Medien anklicken und so sein Thema moderieren.

Evaluieren mit digitalen Tafeln

Die digitalen Tafeln eigenen sich hervorragend für Tagesevaluationen. Es ist nicht mehr notwendig nach einem anstrengenden Seminartag noch einmal zusammenzukommen, weil ein Tagesrückblick in der Großgruppe organisiert und umgesetzt werden muss. Die Weitergabe des entsprechenden Links zur „Auswertungstafel“ reicht und jeder Teilnehmende kann individuell und zeitlich unabhängig die Tagesauswertung durchführen. Auf der Tafel können vorab auch Leitfragen hinterlegt werden, so dass eine zielgerichtete und angemessene Auswertung durchgeführt werden kann.

Partizipation über digitale Tafeln erreichen

In verschiedenen pb21-Artikeln ist bereits über die Einsatzmöglichkeiten von Twitterwalls in Diskussionen berichtet worden. Auch die digitalen Tafeln können zu diesem Zweck genutzt werden. Der Vorteil: Teilnehmende brauchen – im Gegensatz zur Twitternutzung - keinen Account zu eröffnen, um an einer Diskussion teilnehmen zu können. Damit eröffnen digitale Tafeln einen leichten Einstieg in digitale und anonyme Diskussionen. Für Teilnehmende, die Schwierigkeiten haben vor Gruppen zu sprechen, aber ihre Gedanken trotzdem einbringen möchten, sind digitale Tafeln eine Möglichkeit zur Beteiligung. Die Ergebnisse der Tafel können in den Diskussions- oder Vortragsverlauf eingebunden werden. In der Praxis hat sich zu diesem Zweck ein Moderator als sinnvoll erwiesen.

Öffnung des Seminarraums – externe Teilhabe ermöglichen und einfordern

Jede digitale Tafel kann in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Über das „Teilen“ des Links können die spezifischen Ergebnisse der Welt außerhalb des Seminarraumes zugänglich gemacht werden. So kann es dazu kommen, dass Stimmen und Meinungen von Personen außerhalb des Seminars gehört werden. Die Diskussion wird bereichert und aus dem digitalen Feedback - der digitalen Kritik - können neue Ideen entwickelt werden. Auch die Interaktion mit Politiker/innen, Experten/innen und Journalisten/innen ist möglich. So kann eine Auseinandersetzung auch mit politischen Akteuren und Entscheidungsträgern relativ unkompliziert und ohne großen Planungsaufwand erreicht werden.

Kollaboration & Sharing

Abschließend sei noch einmal unterstrichen, dass sich die digitalen Tafeln hervorragend zum kollaborativen Arbeiten eigenen. Die Tafel können unabhängig von Zeit und Ort bespielt werden, sofern ein Internetzugang vorhanden ist. Die umfangreiche Einbettung von Medien macht die Tafel multidimensionaler als z. B. ein GoogleDoc, ist dafür aber für größere Textmengen eher ungeeignet. Die digitalen Tafeln können auch über mobile Endgeräte benutzt werden.

Und wenn’s fertig ist …
Für die Tafeln werden Embed-Codes zur Verfügung gestellt, so dass das Tool z. B. auch in Blog eingebaut werden kann. Über die Share-Funktion kann ebenfalls schnell und unkompliziert die Tafel geteilt und via E-Mail oder in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Eine Download-Funktion (z. B. Flash) gibt es nicht.

Weitere Ideen, Erfahrungen oder Fragen?

Haben Sie selber schon mit digitalen Tafeldiensten gearbeitet? Wir freuen uns über Ihre Meinungen, Erfahrungen oder Fragen über die Kommentare unten.


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Karsten Lucke @karstenlucke und Anselm Maria Sellen @amsellen für pb21.de.