Dass die Schwester des Facebook-Gründers Zuckerberg zwischenzeitlich sauer war, weil jemand ein Familienfoto im Netz weiterverbreitet hat, lassen wir in dieser ersten Webschau 2013 außer Acht. Dafür gibt es jede Menge Jahresrückblicke - und wir beschäftigen uns mit Digitalisierung und Körperlichkeit, mit Frauen und Blogs sowie mit der Frage, wieviel Demokratie in der Wikipedia steckt.

Lesetipps

Die Lesetipps sind diesmal eine Zusammenstellung von Jahresrückblicken:

Auf dem Open Data-Blog hat die Zeit ihre eigenen Artikel ausgewertet; dargestellt sind die 250 meist genannten Personen und ihre Verbindungen untereinander. Im Artikel „Präsidenten, Propaganda, Piraten und der Papst“ sind die Social Media-Höhepunkte und Fehltritte des Jahres zusammengestellt.

Christian Buggisch hat auf seinem Blog die Social Media Nutzerzahlen in Deutschland des letzten Jahres schön zusammengefasst und Trends beschrieben. Das europäische Statistikamt liefert Zahlen für den Vergleich innerhalb der EU, demnach sind die Deutschen Schlusslicht bei der Nutzung sozialer Medien.

Politik-digital.de fasst in der digitalen „Presseschau des Jahres 2012″ die wichtigsten netzpolitischen Ereignisse zusammen: Von ACTA über das Anti-Islam-Video „Innocence of muslims“ bis zum Streit über das Leistungsschutzrecht.

Christian Heise schreibt im Beitrag „Elektronische Demokratie im Jahresrückblick 2012″ ausführlich über die Schwerpunkte elektronische Demokratie und elektronische Partizipation.

Sascha Lobo hält sich nicht mit der Vergangenheit auf: Ganz bescheiden stellt er auf spiegel.de zusammen, „Was man 2013 über das Internet wissen muss, um die Welt zu verstehen“.

#lesetipp

 


Kurzmeldungen

29C3: Hamburg als Tor zur Hacker-Welt

Auf heise.de ist ein Resümee des jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester vom Chaos Computer Clubs (CCC) veranstalteten Kongresses zu lesen. Der neue Veranstaltungsort in Hamburg sei eine gute Wahl, allerdings „hatte der CCC für die Hauptredner kein besonders glückliches Händchen“, zu wenig selbstkritisch seien die ehemaligen Mitarbeiter des Militärnachrichtendienstes NSA gewesen, die über die massive Überwachung in den USA berichtet haben.
#29c3

Stand der Dinge im Streit um den Klarnamenzwang bei Facebook

„Im Streit zwischen Datenschützern und Facebook um den Klarnamenzwang des Online-Netzwerks muss jetzt das Verwaltungsgericht Schleswig eine Entscheidung treffen. Facebook hat Widerspruch gegen eine Anordnung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) eingelegt.“ berichtet u. a. die fr-online. Die Datenschützer wollen durchsetzen, dass Nutzerinnen und Nutzer sich auch unter einem Pseudonym registrieren können. Der Klarnamenzwang von Facebook verstoße gegen geltendes Recht.
#klarnamen #uld #facebook

Frauen & Blogs: Die Rückkehr zur Normalität

Eine Bestandsaufnahme der weiblichen „Politbloggerei“ ist auf carta.info zu lesen - sie schließt mit dem Aufruf „Traut euch!“:
„Es hat sich viel getan, das Internet ist keine Nerdecke oder Männerdomäne mehr. Frauen werden ebenso gerne gelesen wie Männer, und aus demselben Grund: Sie haben etwas zu sagen, weil sie über ihre Anliegen nachdenken und ihnen klar wird, dass andere dieselben haben. Es gibt kein Thema, das uninteressant ist. Macht die Augen auf und sucht eure Nische.„
#frauen #blogs

Du hattest mir Freiheit versprochen

„Soziale Normen, die Themen tabuisieren und Internetnutzer dazu auffordern, weniger Privates öffentlich zu teilen, werden stärker.“ stellt faz.net fest und stellt die These auf: „Wenn unter sozialem Druck Gedanken und Bilder nur nach rigider Auswahl und mit Blick auf ein minimales Risiko dem digitalen Gedächtnis hinterlassen werden, ist diese Form des Datenschutzes vor allem ein Datenverlust. Die radikalen Möglichkeiten Geschichte umfassend zu dokumentieren, weicht dann der Entscheidung, Geschichten zu schreiben, die niemandem zu nahe treten – und damit schon vergessen sind.„
#freiheit #socialmedia

Reformen im Schatten: Wieviel Demokratie steckt in der Wikipedia?

… rechtzeitig zum 10-jährigen Geburtstag der Wikimedia Foundation wird auf berlinergazette.de die Community unter die Lupe genommen: „Die Wikipedia scheint der Inbegriff der Demokratisierung des Wissens im Netz zu sein. Eine Gemeinschaft weltweit verstreuter Freiwilliger erstellt die Inhalte der größten, freien Enzyklopädie - und jeder kann mitmachen. Doch wie steht es mit demokratischen Strukturen und Reformen unter den WikipedianerInnen?„
Die Spendenaktion 2012 hat über fünf Millionen Euro für die deutsche Wikipedia eingebracht, meldet heise.de.
#wikipedia #demokratie

Die Körpertracker kommen

„Körpermessgeräte für Quantified-Self-Fans und/oder Gesundheitsbewusste scheinen sich gerade zu einem lukrativen Markt zu mausern.“ berichtet heise.de. In der Eröffnungsrede zur Digital-Health-Konferenz wurde das amerikanische Gesundheitssystem als dysfunktional und teuer beschrieben. Durch elektronische Geräte könnten die Menschen die Kontrolle über ihre Gesundheit wiedererlangen. Der Erfolg von Firmen, die in diesem Bereich tätig sind, beweise, „dass sich offenbar viele Menschen für ihre Körperdaten interessieren, aus welchen Gründen auch immer.„
Diesen Gründen will übrigens ein Seminar des Forums Politische Bildung im kommenden Sommer auf die Spur kommen.
#koerper #digitalisierung

Arbeiten wie im 20. Jahrhundert

Über das Moodle-Verbot für eingescannte Unterrichtsmaterialien berichtet lehrerfreund.de: „Lehrer/innen dürfen Unterrichtsmaterialien nun zwar einscannen, sie allerdings nicht über Netzwerke wie Moodle verteilen. An Schüler/innen dürfen Dateien nur auf 90er-Jahre-Medien wie CDs oder USB-Sticks weitergegeben werden.„
#moodle #unterrichtsmaterialien

„Unseren Kindern später mal von Facebook erzählen“

sueddeutsche.de führte ein Interview mit drei jungen Niederländern, die „das erste Internet-Museum der Welt eröffnet haben. Jeder Besucher darf mitentscheiden, was vom Netz als wichtig und erinnernswert archiviert wird: […] ‚Früher gingen wir mit unseren Eltern oder Großeltern ins Museum, wo wir uns Dinge von früher angeschaut haben. Wir dachten, wenn wir mal Kinder haben, wollen wir das auch noch können.‘“
#internetmuseum

 


Debatte: Google und Nordkorea

„Was macht Eric Schmidt in Nordkorea?“ fragt spiegel.de. „Der Spitzenmanager des Informationskonzerns Google besucht den Zensur-Weltmeister. Dort trifft er unter strenger Aufsicht Studenten - und lässt sich das Internet erklären. Aus Sicht der stalinistischen Führung eine gelungene Inszenierung. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums erklärte vor der Reise: ‚Wir finden das Timing dieser Reise nicht sonderlich hilfreich‘“ und spielte dabei auf den kürzlich durchgeführten Raketenstart an.

Der Google-Chairman war „bemüht, seine Nordkorea-Reise als Erfolg zu verkaufen: […] ‚Ihre Entscheidung, sich zu isolieren, macht es ihnen schwerer, wirtschaftlich aufzuholen.‘ Der US-Politiker Bill Richardson, in dessen Gefolge der Google-Mann unterwegs war, unterstützte Schmidt: ‚Wir haben die Nachricht gebracht, dass Nordkorea von mehr Offenheit profitierten würde.‘“ schreibt handelsblatt.de. Und weiter: „… eines ist klar: Google wird auf absehbare Zeit im Norden Koreas keine Geschäfte machen (es gibt dort weder Werbung noch das Internet). Ebenso unwahrscheinlich erscheint es, dass Kim sich nun am Kopf kratzt und den den nordkoreanischen Bürgern plötzlich das Netz öffnet.“

#google #nordkorea


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