Lehren und Lernen mit Sketchnotes (1) – Grundlagen

Grafik „Anker im Kopf“ von Ralf Appelt unter <a title="Zur Lizenz" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Anker im Kopf“ von Ralf Appelt unter CC BY 3.0 DE.

Sketchnotes sind eine Mischung aus Bildern, Texten und Strukturen, mit denen sich auch komplexere Sachverhalte visualisieren lassen. Interessant ist das für die Bildung nicht nur zum anschaulischen Erklären, sondern auch für Lernende als kreative Form der Mitschrift. Abgesehen von der Möglichkeit Sketchnotes auf Papier zu erstellen und für sich alleine zu nutzen, bieten sie sich auch in digitalisierter Form an, um Präsentationen und Internetauftritte aufzulockern.
Alles was zum Erstellen von Sketchnotes getan werden muss, ist selbst den Stift in die Hand zu nehmen. Die Grundlagen dazu, viele Tipps und Tricks und auch die Möglichkeiten, Sketchnotes in digitaler Form zu nutzen vermittelt eine dreiteilige Artikelreihe.

Die Teile dieser Reihe:
Thema 1: Grundlagen
Thema 2: How-To
Thema 3: Ausstattung

Sketchnotes lassen sich einsetzen, um Themen zu erschliessen, zu erinnern, das Engagement zu fördern oder neue Inhalte zu entwickeln. Klingt, wie gemacht für die Arbeit in Bildungszusammenhängen! Wie das geht und was Sketchnotes sind, zeigt der erste von drei Artikeln zum Thema Sketchnotes.

Der Begriff Sketchnotes setzt sich zusammen aus Sketch (engl.: Skizze) und Note (engl.: Notiz von lat. notitia ‘Kenntnis, Nachricht’). Es handelt sich um Notizen, die aus Texten, Bildern und Strukturen bestehen. Den Prozess der Erstellung nennt man „sketchnoting” oder „visual note taking”.
Es geht demnach nicht um ausgefeilte Zeichnungen, sondern um skizzenartige, bildliche Darstellungen, die vom Anspruch eher einem Entwurf als einer fertigen Zeichnung gleichen. Dennoch sind sie völlig ausreichend, um Ideen und Inhalte zu kommunizieren und so einen Ausgangspunkt für Lernen, Lehren und den gemeinsamen Austausch zu haben. Wer jetzt abwinkt, weil er / sie meint, nicht zeichnen zu können – kein Problem! Wer in der Lage ist, einen Stift über das Tablet oder Papier zu führen und grundlegende Linien und Formen zu malen, wie es etwa kleine Kindern tun, hat alle Fähigkeiten, die für Sketchnoting erforderlich sind.
Zunächst einige Beispiele, wie Sketchnotes schlussendlich aussehen können:

Bevor wir uns dem Erstellungsprozess nähern, vorab einige Überlegungen, wie Sketchnotes im Bildungsbereich sinnvoll eingesetzt werden können.

Erschließen und Erinnern

Sketchnotes sind in erster Linie eine Alternative zu konventionellen Protokollen bei Vorträgen, Kursen oder in ähnlichen Settings. Schriftliche Protokolle und Sketchnotes schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich gegenseitig. Der Vorteil von Sketchnotes besteht darin, schnell einen Überblick über ein Thema zu bekommen und den (Wieder-)Einstieg in ein Thema zu erleichtern. Gleichzeitig ist es vergleichsweise leicht, ein Thema zu „überblicken” und Beziehungen zwischen verschiedenen Aspekten deutlicher kenntlich zu machen.

Engagement

So wie bei Mitschriften setzt auch das „Mitzeichnen” aktives Zuhören und grundsätzliches Verständnis voraus. Sketchnoting hilft also zum Beispiel bei längeren Vorträgen, geistig „am Ball zu bleiben”. Diese Form der Mitschrift bietet im Gegensatz zum reinen Textprotokoll in Lernsettings zudem den Vorteil, etwas langatmigere Phasen sinnvoll zu nutzen, indem die Gewichtung der Darstellung optimiert wird. So bleiben die Teilnehmer am Thema und fangen nicht so leicht an, sich abzulenken, z.B. durch einfaches „Kritzeln”.

Entwicklung

Sketchnotes lassen sich aber nicht nur bei der Aufnahme neuer Informationen einsetzen, sondern dienen ebenfalls der Entwicklung neuer Gedanken und Konzepte in einer Gruppe. Hierbei haben alle Beteiligten einen Blick auf das gesamte Thema, indem die Sketchnotes für alle beteiligten sichtbar sind, z. B. im Rahmen von Gruppen- oder Projektarbeiten.

Sketchnotes und das Web 2.0

Sketchnotes bieten sich besonders an, um Inhalte übersichtlich darzustellen. Bei längeren Blogartikel, Videos oder anderer Internetinhalte können sie helfen, sich erneut in bereits gelesenes oder längere Videos einzudenken. Die meisten Sketchnoter holen sich Anregungen, Inspiration und Feedback, indem sie ihre Sketchnotes z.B. bei Flickr (http://www.flickr.com/groups/sketchnotes/ & http://www.flickr.com/photos/tags/sketchnotes/) oder Twitter (#sketchnotes) veröffentlichen und dort nach Sketchnotes von Anderen suchen. Es gibt sogar Blogs (z.B. http://sketchnotearmy.com) die gezielt dazu aufrufen, Sketchnotes unterschiedlicher Autoren zu veröffentlichen.
Im Vergleich zu Audioaufnahmen, Photos und Videos bewegt man sich mit selbst erstellten Sketchnotes nicht in rechtlich schwierige Bereiche (Recht am eigenen Bild, Urheberrecht …)
Selbstverständlich können auch online gepostete Sketchnotes einen Lernanlass für den Betrachter darstellen oder einen Austausch zwischen Teilnehmenden derselben Veranstaltung herbeiführen.
Eine beispielhafte Möglichkeit wäre, die bisherigen Inhalte dieser Artikelreihe als Sketchnote zu verarbeiten und online zu stellen.
In Teil zwei dieser Reihe werden die typischen Bestandteile von Sketchnotes vorgestellt die sich aus dem visuellen Aplhabet gestalten lassen und es ermöglichen einen bildsprachlichen Wortschatz aufzubauen. Der dritte Teil soll einen Überblick über Hilfsmittel geben die zum Erstellen von SKetchnotes auf Tablets genutzt werden können und aufzeigen wie analoge Sketchnotes digitalisiert werden können.

Exkurs: Sketchnotes als Film

Selbstverständlich lassen sich die behandelten Techniken auch nutzen, um Videos zu erstellen. Dies wurde z.B. bei diesem Video gemacht. (Siehe auch unsere Artikelreihe „Lernen mit YouTube & Co”.) Im Vergleich zu „normalen” Videos bieten die selbst gezeichneten Videos den Vorteil, sich nicht mit dem Recht am eigenen Bild auseinander setzen zu müssen.
Um diese Filme zu erstellen, kann man eine Vielzahl von Filmschnitt- oder Stop-Motion Programmen nutzen. Einige davon haben wir auf pb21.de schon vorgestellt.
Ein besonders schönes, allerdings auch vergleichsweise aufwändiges Beispiel ist der Film Changing Education Paradigms.

Exkurs: Graphic Facilitation

In Abgrenzung zu Sketchnotes gibt es das Thema „Graphic Facilitation”. Die grundlegenden Techniken und vorgehensweisen sind ähnlich. Der Wesentliche unterschied besteht im Format und der Herangehensweise. Beim Graphic Facilitating werden die Inhalte gezielt für die Nutzung in Gruppen visualisiert. Das heißt in der Regel gibt es einen Graphic Facilitator der parallel zum Moderator die Aussagen und Ergebnisse der Gruppensitzung, Veranstaltung o.ä. für alle sichtbar auf einer großen Papierfläche oder auf eine Projektionsfläche überträgt.

Im zweiten Teil dieser Serie werden wir uns das visuelle Alphabet anschauen und erste visuelle Vokabeln kennen lernen.


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Ralf Appelt ist, als Diplom Pädagoge und Master of Arts, unterwegs an den Schnittstellen von Medien, Bildung und Design. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Organisationsentwicklung, Moderation und Visualisierung. Foto von privat, nicht unter freier Lizenz.

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  7. [...] Teile dieser Reihe: Thema 1: Grundlagen Thema 2: How-To Thema 3: [...]

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