Webschau April 2013

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Darüber spricht das Netz …

Die Webschau im April befasst sich mit dem gescheiterten Versuch der „Netzgemeinde“, das Leistungsschutzrecht zu verhindern. Wir sagen, wie man in den USA auf den deutschen Internet-Wahlkampf schaut und berichten über die Big Brother Awards 2013. Und: In der neuen Ausgabe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ fragt sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, ob der Staat eine eigene Privatsphäre hat.

Lesetipp: „Transparenz und Privatsphäre“

„Transparenz gehört zu den derzeit meistdiskutierten Schlagworten. Zum einen fordern Bürgerinnen und Bürger sie vehement von der Politik ein, zum anderen ist sie aber auch (wieder) zu einem Thema geworden, das jeden individuell betrifft: Noch nie war es so einfach, selbst größte Mengen an Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Bezahlen wir die Bequemlichkeit, die Onlinedienste uns bieten, mit einem Verlust an informationeller Selbstbestimmung? Was ist im digitalen Zeitalter ‘öffentlich’, was ‘privat’? Deutet sich hier ein sozialer Wandel an? Was würde das bedeuten – für die Politik, für die Gesellschaft, für das Individuum?“
Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Artikel in der soeben erschienenen Ausgabe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
#transparenz #privatsphäre


Kurzmeldungen

Big Brother Awards 2013

„In der Kategorie ‘Politik’ wurden in diesem Jahr gleich alle 16 Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer ausgezeichnet. Anlass war die Einrichtung des gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio: ‘Leider hat die Politik die Chance verpasst, mit der Haushaltsabgabe eine neue, wirklich datensparsame Methode der Erhebung der Rundfunkbeiträge einzuführen’, so der Laudator.“ Wenig überraschend war die Verleihung des Negativ-Preises in der Kategorie „Globales Datensammeln“ an die Firma Google. Es berichtete u. a. politik-digital.de.
Auf spiegel.de ist ein Plädoyer für eine Neuausrichtung des Preises zu lesen.
#bigbrotherawards2013

Der Blick über den Ozean

Was sich deutsche Parteien für ihren Internet-Wahlkampf in den USA abgeguckt haben, beschreibt ein Artikel auf techpresident.com. Nicht nur die Parteien und ihre KandidatInnen agieren unterschiedlich in beiden Ländern, auch das Wählerverhalten sei anders: Die Deutschen würden eher ihr Profilbild ändern, um ihre Fußballmannschaft zu unterstützen als ihre Unterstützung für eine politische Idee über das Netz kundzutun.
#internetwahlkampf

Energize, Polarize, Mobilize

… so der Name einer internationalen Konferenz zu Aktivismus und Internet der den Grünen nahe stehenden Heinrich-Böll-Stiftung, die Ende März in Berlin stattfand. Zu den Inhalten berichtete u. a. heise.de: Ungeklärt sei beispielsweise, „wie Online-Aktivisten mit ‘der privatisierten Internetöffentlichkeit’ umgehen sollten, wie sie etwa Facebook oder Google böten.“ Neben der Ablehnung – Finger weg von Facebook – brachten Aktivisten aus anderen Kontinenten ganz andere Perspektiven ein: In Ländern, in denen nur wenige Menschen über Internetzugänge verfügen, setzen Aktivisten eher auf SMS als auf soziale Netzwerke.
#online-aktivismus

Google startet Testament-Funktion

„Nach dem Tod leben immer mehr Menschen über ihre digitalen Spuren im Internet weiter. Der US-Technologiekonzern Google stellte nun für seine Online-Dienste eine Testament-Funktion vor, die Nutzern eine stärkere Kontrolle über den Umgang mit persönlichen Daten nach ihrem Ableben gibt.“ Es berichtete u. a. sueddeutsche.de.
#sterben #digitalisierung

Das Netz als Lebensraum

Ein Gespräch über „die dünne Forschungslage zu den kontroversen Netzthemen und der Versuch zu klären, was gesicherte Erkenntnis und was Ideologie ist“: Jeanette Hoffmann spricht auf DRadio Wissen über neue Lizenzmodelle, nicht zu erwartende Gesetzesreformen und „Schaum vor dem Mund“ in den Diskussionen zu Netzthemen. Hörtipp!
#urhebrerrecht #lizenzmodelle

SchülerVZ wird geschlossen

„Das soziale Netzwerk SchülerVZ schließt am 30. April für immer. Alle Bilder, Nachrichten, Links, Pinnwandeinträge und alle anderen Daten der bisherigen Nutzer sollen gelöscht werden. Die VZ-Netzwerke hatten massiv an Mitgliedern verloren, die vor allem zu Facebook abwanderten.“ schreibt heise.de.
#schuelervz

Zwei Studien

Netzaktivisten halten nichts von den Unionsparteien:
„Politische Netzaktivisten tendieren ‘überdurchschnittlich zu den Grünen, unterdurchschnittlich dagegen zu den Unionsparteien.’ Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2011“, die nicht veröffentlicht wurde (nach dem Informationsfreiheitsgesetz kann man sie aber anfordern, mehr dazu auf netzpolitik.de).

„Facebook-Statistik: Junge Nutzer wandern ab
Facebook hat offenbar in Deutschland seit vergangenem Jahreswechsel Nutzer verloren, wie aktuelle Zahlen zeigen. Dabei verändert sich auch die Altersverteilung. Die Zahlen passen in den schon länger bekannten Trend, dass das Durchschnittsalter in einigen sozialen Netzwerken deutlich steigt.“ Mehr dazu auf heise.de.
#facebook #netzaktivisten


Debatte: Die kulturelle Spaltung in der Netzbewegung

Im Nachgang der Diskussion um das Leistungsschutzrecht und den gescheiterten Versuch es zu verhindern, analysiert die politische Netzszene sich selbst, u. a. berichtete das Göttinger Institut für Demokratieforschung.

Sascha Lobo hat die Debatte mit seinem Artikel „Unsere Mütter, unsere Fehler“ begonnen. Er „beklagt, dass es in Sachen Leistungsschutzrecht nicht gelungen sei, die jungen Leute abzuholen. Es gibt keine Vernetzung zu den Videobloggern, deren Reichweite alles in den Schatten stellt, was in Blogs und auf Twitter so zu finden ist. Insgesamt ist es nicht gelungen das Problem mit dem Leistungsschutzrecht meiner Mutter, meinem Vater – niemandem außerhalb unserer kleinen Filterbubble verständlich zu machen.“, schließt sich Michael Seemann (mspr0.de) an.

„Schluss mit dem Quatsch!“ meint John F. Nebel auf metronaut.de: „So, haben sich jetzt alle ausgeheult? Sind die Wunden geleckt? Haben sich jetzt alle ehemaligen Avantgardisten mit der Tatsache vertraut gemacht, dass sie nicht mehr ganz vorne sind? Die jetzige Debatte macht uns schwächer als wir sind. Sie delegitimiert unsere Anliegen und spielt den Gegnern von Grund- und Bürgerrechten in die Hände.“
#lsr #debatte #netzbewegung #netzgemeinde


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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