Die Lightwall des CCC Mannheim - Foto by Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 3.0 DE

Die Lightwall des CCC Mannheim - Foto by Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 3.0 DE

#pb21-Podcast mit Florian Grunow und Christian Platz vom „Chaos Computer Club“

Wie sieht eigentlich ein sicheres Passwort aus? Die Mitglieder der Initiative „Chaos macht Schule“ erklären nicht nur wie das Internet funktioniert, sondern knacken Passwörter auch mal live in der Schul-Aula. Mit Jöran Muuß-Merholz sprechen sie über ihre Aufklärungsarbeit in Schulen und über ihren „Hacker-Bonus“.

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Chaos Computer Club

Der Chaos Computer Club e. V. (CCC) beschreibt sich selbst als „die größte europäische Hackervereinigung und seit über dreißig Jahren als Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen. Die Aktivitäten des Clubs reichen von technischer Forschung und Erkundung am Rande des Technologieuniversums über Kampagnen, Veranstaltungen, Politikberatung, Pressemitteilungen und Publikationen bis zum Betrieb von Anonymisierungsdiensten und Kommunikationsmitteln.“ Der Verein ist in zahlreichen dezentralen lokalen Ortsgruppen, so genannten erfa-Kreisen organisiert.

Florian Grunow und Christian Platz knacken Passwörter live in der Schul-Aula. Die beiden sind Mitglied im Chaos Computer Club in Mannheim und engagieren sich im Projekt Chaos macht Schule. Als Technik-Experten gehen sie in Schulen und erklären Schülern, Eltern und Lehrern das Internet. „Wir nutzen unser Hacker-Image um Themen auf den Tisch zu bringen. Wir erklären den Kids, worauf sie achten müssen und wo Probleme sind. Wir zeigen technisch: Wie funktioniert das eigentlicht? Wieso können Daten so schnell weg sein? Und wieso vergisst das Internet nicht?“ Die Mitglieder des Erfa-Mannheim machten die Erfahrung, dass die verbreiteten Probleme von Jugendlichen im Netz meistens aus Unwissenheit entstehen. Die Kinder und Jugendlichen würden sich oft allein gelassen fühlen, da ihnen im Alltag keiner ihre Fragen beantworten könne. Hier beginnt die Arbeit von Chaos macht Schule. 2006 begann die kleine Gruppe Freiwilliger um Florian Grunow und Christian Platz ihr Wissen für Kinder, Eltern und Lehrer aufzubereiten und startete mit ihrer Aufklärungsarbeit an Schulen.

Chaos macht Schule

Chaos macht Schule ist eine Initiative verschiedener Erfa-Kreise des Chaos Computer Clubs (CCC). Ziel von Chaos macht Schule ist es, die Medienkompetenz und das Technikverständnis von Schülern, Eltern und Lehrern zu stärken. Weiter Informationen finden Sie auf der Website.

Ein großes Thema ihrer Arbeit ist die Privatsphäre im Netz. Ihre Vorträge starten in der Regel mit grundsätzlichen Fragen zum Internet. Es wird geklärt, wie groß das Internet ist, seit wann es existiert und die ursprüngliche Idee des Internet als ein dezentrales Netz wird vorgestellt. Im Kontrast dazu wird dann zum Beispiel Facebook angeschaut: Was steckt dahinter? Wie sieht ein Rechenzentrum aus, das eine Seite wie Facebook möglich macht? Was kostest das? Wo kommt das Geld her? Die Themen werden von den Mannheimern mit Live-Demos veranschaulicht. Beliebt ist zum Beispiel die Passwort-Demo, bei der sechs Leute sich ein Passwort überlegen müssen. Drei von ihnen wird erklärt, wie ein sicheres Passwort aussieht, während die anderen drei sich einfach ein simples Passwort überlegen. Daraufhin werden die unsicheren Passwörter live geknackt. „Man guckt ins Publikum und weiß, wer an dem Abend noch seine Passwörter ändern wird.“ Zu weiteren Aha-Effekten führt die Live-Erstellung eines Soziogramms anhand eines Facebook-Profilbildes, dem Namen und Teilen der Facebook-Freundesliste. Es gelingt den Hackern damit, einen validen Lebenslauf einer Person zu erstellen: „Wir können aus einem kleinen Happen an Informationen schon so viel gewinnen. Und jetzt stellt euch vor, wir haben alle Informationen.“

Lightwall „FullCircle“

Das Artikelbild zeigt die Lightwall im Mannheimer Hauptquartier des CCC, die aus 120 Ikea-Kisten besteht. Jede Kiste hat 3 LEDs im Deckel, die in jeder Farbe leuchten können. Weitere Informationen zu diesem Projekt gibt es auf der Website.

Jugendliche wollen auf den Veranstaltungen von Chaos macht Schule Hacking sehen und Fragen, wie „wer kann das alles lesen? Kann das jemand abfangen? Oder auch: Was kann mein Smartphone eigentlich alles machen? Startet die Facebook-App die Kamera?“ beantwortet bekommen. Eltern und Lehrer äußern viel mehr Kummer und Sorgen. Sie möchten wissen, wie sie sich und ihre Kinder schützen können und ob das Internet nicht verboten gehöre. „Wir versuchen immer das Gute und das Böse aufzuzeigen, die Vorteile und die Nachteile, möchten den Eltern aber keinen Zündstoff dafür liefern, ihre Kinder vom Internet weg zu sperren.“ Oftmals helfe es, Eltern und Lehrern zu zeigen, was Kinder im Netz tun und warum ihnen das so viel Spaß macht. Das Ziel von Chaos macht Schule ist das verantwortungsbewusste gemeinsame Handeln im Netz. Wenn die Verwendung von Medien in Schule und Elternhaus Normalität wäre und Eltern wissende Ansprechpartner für ihre Kinder werden, wäre ein Schritt in eine positive Richtung getan.

Florian Grunow und Christian Platz betonen, dass ihre Arbeit kein Feuerwehreinsatz sein kann, sie keine konkreten Unterrichtstipps geben können oder Hilfe bei sozialen Umgangsfragen wie Cybermobbing bieten können. „Wir sind Hacker, wir gehen kreativ mit Technologien um“, in diesem Sinne geht es bei Chaos macht Schule darum Grundlagen zu erklären und Fragen zu beantworten. Mit dieser Arbeit haben die beiden bisher durchweg gute Erfahrungen bei Schülern, Eltern und Lehrern aller Institutionen gemacht und sogar schon Nachwuchs für ihre Arbeit gewinnen können.


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor (Text): Tessa Moje für pb21.de; Podcast (Audio): Jöran Muuß-Merholz für pb21.de. Podcast-Jingle unter CC BY 3.0 by twistedtools.