PB040: Lernen mit Wikis

Foto „Mandy Schütze und Nando Stöcklin“ von Jöran Muuß-Merholz unter<a title="Zum Lizenztext" href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"> CC BY 4.0</a>.

Foto „Mandy Schütze und Nando Stöcklin“ von Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0.

#pb21-Podcast mit Mandy Schütze und Nando Stöcklin

Wikis und Lernen – die Anfänge sind schon zehn Jahre alt. Aber wie sieht es heute aus? Mandy Schütze und Nando Stöcklin sprechen mit Jöran Muuß-Merholz über die Entwicklungen und Besonderheiten vom Lernen mit Wikis.

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Mandy Schütze ist Lehrerin für Geographie und Ethik in Baden-Württemberg. Sie ist im Vorstand des ZUM e.V., der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet, und setzt viel und gern Wikis in ihrem Unterricht ein. Sie bloggt als Frau Schütze und twitter als @ma_y.
Nando Stöcklin ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule in Bern. Außerdem ist er aktiver Autor und Administrator der deutschsprachigen Wikipedia. 2010 erschien sein Buch „Wikipedia clever nutzen – in Schule und Beruf“.  Er bloggt unter nandostoecklin.ch und twittert als @nstoecklin.

2004  entstand das ZUM-Wiki – die Zentrale für Unterrichtsmedien, getragen von einem gemeinnützigen Verein. In dem Wiki werden seitdem Unterrichtsmaterialien aller Fächer und Schulformen gesammelt und organisiert. Damals waren Wikis und Lernen zwei Themen, deren gemeinsame Nennung noch ungewohnt war. Doch schnell begannen digital-affine Pädagog/innen mit den ersten Experimenten. Lernen mit Wikis wurde zu einem Hoffnungsträger. Je etablierter Wikis wurden, nicht zuletzt durch das Beispiel Wikipedia, desto ruhiger wurde es um das Lernen mit Wikis. Während die Massenmedien „iPad-Schulen“ oder „Facebook-Lehrer“ lieben, ist es um den Einsatz von Wikis ruhig geworden. Ist das Thema verschwunden – oder ist es vielmehr zum Alltag geworden?

Mandy Schütze ist sich sicher: Wikis haben sich als Arbeitsplattform etabliert: „Es heißt nicht mehr, ‘wir machen was mit Wikis’, sondern ‘wir machen unsere Themen und setzen Wikis dabei ein.’“ Nando Stöcklin ergänzt, dass das Arbeiten mit Wikis unaufgeregter geworden sei und dass die Wikinutzer den Mehrwert ihrer Wikis kennen würden und zufrieden seien.

Zwar gibt es mittlerweile andere Tools gibt, die ähnliche Vorteile wie Wikis bieten und deutlich einfacher zu nutzen sind. Dennoch gibt es Anwendungsbereiche, in denen Wikis weiterhin klare Vorteile haben. Obwohl andere Tools auch kollaboratives Verfassen von Texten ermöglichen, bieten Wikis erweiterte Möglichkeiten, solche Texte zu strukturieren, zu organisieren und zu verknüpfen. Wikis werden als Schülerzeitungen und Heftersatz, zur Dokumentation von Projekten oder ganzen Schuljahren oder als vorbereitete Lernumgebungen genutzt. Losgelöst von der inhaltlichen Arbeit, wirft das Arbeiten mit Wikis Fragen nach Persönlichkeits- und Urheberrechten auf. Auch stelle sich die Frage, wie „Wahrheit“ definiert wird oder was eine Gruppe gemeinsam erschaffen kann. Nicht zuletzt fordert das Arbeiten mit Wikis vernetztes Denken von seinen Nutzern.

Lehrer, die Wikis in ihrem Unterricht nutzen, aber keine eigene Installation aufsetzen möchten, können Dienste wie Wikispaces oder die Wiki-Family der ZUM nutzen. Auch das bekannteste Wiki, Wikipedia, lässt sich in der Schule nicht nur als Informationsquelle für Hausaufgaben nutzen: Gemeinsam können Schüler Wikipedia weiter mit Inhalten füllen. „Mittlerweile müssen die Lücken aber gesucht werden“, sagt Nando Stöcklin. Gut geeignet seien Nischenthemen oder lokale Themen, für die die Schüler Experten sind, zum Beispiel für ihre Schule, ihren Verein oder Wohnort. Auch ist Wikipedia noch deutlich textbasiert, die Anreicherung von unterrichtsrelevanten Artikeln mit Bildern oder Audiodateien könnte Inhalt eines Klassenprojekts sein.

Für Nando Stöcklin ist außerdem interessant, was mit Wikipedia passiert, wenn die erste Entwicklergeneration weniger aktiv wird. Sind Wikis in Schulen eine gute Möglichkeit, um Nachwuchsautoren zu gewinnen? Oder muss die Wikipedia-Community ihre Autoren ganz anders motivieren –  zum Beispiel mit Spielelementen  im Sinne einer Gamification?

Wikis werden heute vielleicht unauffälliger als andere Lern-Werkzeuge genutzt – aber vielleicht ist gerade das ein Zeichen für die Etablierung des Web 2.0 in der Bildung.


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Tessa hat im August 2013 ihr Lehramtsstudium mit den Unterrichtsfächern Mathematik und Sport an der Universität Hamburg abgeschlossen. Sie hat sich während des Studiums insbesondere mit alternativen Formen von Schule und Lernen auseinandergesetzt. Die Verbindung von Lernen und Digital gehörte zu ihren liebsten Themen, was im Experiment gipfelte, das Studium papierfrei und iPad-zentriert abzuschließen. Tessa beschäftigt sich nun ohne Uni und Schule weiter mit diesen Themen.

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