PB043: Kinderzimmerprogrammierer gesucht!

Im Gespräch mit Niklas Riekenbrauck und Maria Schröder. Foto „Jugend hackt“ von Jöran Muuß-Merholz unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">CC BY 4.0</a>.

Im Gespräch mit Niklas Riekenbrauck und Maria Schröder. Foto „Jugend hackt“ von Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0.

#pb21-Podcast mit Veranstalterin und Teilnehmer von „Jugend hackt“

Wer als Jugendlicher viel Zeit tüftelnd und programmierend vor dem Computer verbringt, bekommt dafür selten Anerkennung aus seinem Umfeld. Mitschüler schauen ihn / sie oft schräg und meistens gar nicht an. Eltern fordern häufig, dass man „auch mal was anderes machen“ solle. Und Pädagog/innen verstehen in der Regel gar nicht, worum es eigentlich geht. Bei „Jugend hackt“ treffen solche junge Hacker und Haecksen Gleichgesinnte. Sie entwickeln gemeinsame Projekte und erleben „welchen Schatz sie unter ihren Fingern haben.“
Projektleiterin Maria Schröder und Teilnehmer Niklas Riekenbrauck berichten im Gespräch mit Jöran Muuß-Merholz von ihren Erfahrungen und den Plänen für „Jugend hackt 2014“.

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Wie wird man eigentlich Hacker?

„Wenn man wirklich etwas Eigenes schaffen möchte, etwas was die Leute auch benutzen, dann muss man sich außerschulisch damit beschäftigen.” Der 18-jährige Niklas Riekenbrauck berichtet von seinem Hobby – dem Programmieren. In der Schule lernte Niklas im Informatikunterricht zwar einige Grundlagen. Aber wie man eine ganze Anwendung entwickelt, hat Niklas sich selbst beigebracht. Erst durch einige Bücher, später durch Versuch und Irrtum. „Ich hab mir ein Ziel rausgesucht und ausprobiert: Wie kriege ich das hin? Dann hab ich einfach herumprobiert und irgendwann ist es ein fertiges Produkt gewesen.“ Niklas ist einer der wenigen Schüler seiner Klasse, die das Programmieren richtig gepackt hat. Sein erstes Produkt kam seinen Mitschülern zu Gute: eine Smartphone-App, die den Unterrichtsausfall an seiner Schule anzeigt.

Jugend hacktJugend hackt beschreibt sich selbst als „Wochenendcamp für junge Haecksen und Hacker, für die HTML, CSS, Python und Co. keine langweiligen Abkürzungen, sondern wichtiger Bestandteil ihrer Freizeitbeschäftigung sind.“ Das Porjekt wird 2014 zum zweiten mal von der Open Knowledge Foundation und Young Rewires State veranstaltet.

Jugend hackt

Die Politikwissenschaftlerin Maria Schröder arbeitet bei der Open Knowledge Foundation Deutschland. Sie kennt viele Geschichten wie die von Niklas. Als Projektleiterin von „Jugend hackt“ trifft sie immer wieder Jugendliche, die Spaß am Hacken haben und „alle, die schon begriffen haben, was sie da für einen Schatz unter ihren Fingern haben, die haben sich das selbst beigebracht“. Diese jungen Programmierer/innen können sich ihre Welt ein Stück selbstständiger gestalten.
Niklas glaubt, dass es nicht gar möglich gewesen wäre, seine Programmier-Kenntnisse in der Schule zu vermitteln: „Das wäre viel zu aufwändig.” Und hätte wohl auch nur wenige Schülerinen und Schüler wirklich interessiert. Hier setzt die Veranstaltung „Jugend hackt“ an. Junge Programmierer/innen, die sonst oft die Erfahrung machen, dass wenige Andere den Spaß am Hacken teilen, verbringen gemeinsam mit Gleichgesinnten ein ganzes Wochenende.

Offene DatenOffene Daten oder Open Data bezeichnen öffentliche Daten, die für jeden zugänglich sind und  weiterverwendet werden dürfen. Verschiedene Städte bieten mittlerweile ihre freien Daten auf entsprechenden Portalen an – unter anderem Berlin, Hamburg und Köln.

Beim ersten Hackathon für junge Programmierer/innen haben im September 2013 in Berlin  60 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren teilgenommen. In Gruppen haben sie offene Daten der Stadt Berlin für ihre eigenen Projekte und Ideen genutzt. Nach einem Wochenende Entwicklungsarbeit haben sie ihre Ergebnisse und Prototypen am Sonntag allen Interessierten vorgestellt. Maria Schröder berichtet noch immer begeistert davon, wie schnell sich die Jugendlichen über alle Altersunterschiede hinweg schnell zusammengefunden und ein tolles Wochenende miteinander verbracht haben.

Jugend lernt

Niklas erinnert sich, dass die Mentoren bei „Jugend hackt“ ihm bei seinem Projekt nur wenig helfen konnte – die Programmiersprache die er nutzte, um seine iPhone-Anwendung zu entwickeln, war zu exotisch. Wenn Niklas eine Idee hat, sorgt er dafür, dass er sich die notwendigen Fähigkeiten dafür zusammen sucht.

Maria Schröder auf der re:publica

Video „re:publica 2014 – Maria Schröder: Wie geht’s dir, Kinde…“ von re:publica, nicht unter freier Lizenz.

Die ZEIT berichtete über Marias Vortrag.

Eine gute Quelle ist für ihn dabei Stack Overflow. YouTube-Tutorials nutzt er eher weniger „wenn man so eine blöde geschweifte Klammer vergessen hat, kann YouTube auch nicht helfen.” Ruby hat er sich mit Hilfe von Codecademy beigebracht. Die Plattform bietet interaktive Programmierkurse für verschiedene Sprachen an. Die kleinen Aufgaben werden direkt in einem Editor im Browser bearbeitet. Das wichtigste beim Coden findet Niklas, ist aber ein Ziel, dass man sich setzt. An „Jugend hackt“ hat ihm die Zusammenarbeit mit den anderen Jugendlichen gefallen, „das hab ich vorher nie so gemacht, das jeder einen Beitrag zu einer größeren Sache leistet, das fand ich schon ziemlich gut gemacht.” Maria Schröder fügt lachend hinzu: „Das habt ihr euch selber gemacht!“ Wie so vieles, dass die jungen Hacker einfach selbst machen.


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Tessa hat im August 2013 ihr Lehramtsstudium mit den Unterrichtsfächern Mathematik und Sport an der Universität Hamburg abgeschlossen. Sie hat sich während des Studiums insbesondere mit alternativen Formen von Schule und Lernen auseinandergesetzt. Die Verbindung von Lernen und Digital gehörte zu ihren liebsten Themen, was im Experiment gipfelte, das Studium papierfrei und iPad-zentriert abzuschließen. Tessa beschäftigt sich nun ohne Uni und Schule weiter mit diesen Themen.

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