juki.de: Eine Alternative zu YouTube für Acht- bis Zwölfjährige

Screenshot der juki.de-Startseite (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot der juki.de-Startseite (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Eine moderierte Video-Community mit Trickfilmstudio und weiteren Extras

Die Videoproduktion mit Kindern und Jugendlichen gehört zu den verbreitetsten Tätigkeitsfeldern im Bildungsbereich, sowohl in der Medienbildung wie auch als Methode in der allgemeinen Projektarbeit. Wo können diese Inhalte hochgeladen und präsentiert werden, wenn es nicht gleich das weltöffentliche Netz sein soll? Für die Zielgruppe 8 bis 12 Jahre gibt es mit juki eine moderierte Alternative zu YouTube – auch wenn sich hinter der Oberfläche dasselbe Unternehmen verbirgt, nämlich Google.

Das Projekt juki

Juki ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Kinderhilfswerkes, der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter, der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und Google Deutschland. Es wird außerdem durch weitere Partner unterstützt. Ziel des Projekts ist es, eine sichere Video-Community für Kinder im Alter zwischen 8 bis 12 Jahren anzubieten. Die Altersbeschränkung ist insofern interessant, da eine Anmeldung bei Youtube erst ab 13 Jahren erlaubt ist.

Screenshot der Startseite mit den verschiedenen Angeboten der Plattform (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot der Startseite mit den verschiedenen Angeboten der Plattform (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Die Plattform juki beschränkt sich bei dem Vorhaben nicht allein auf das Verfügbarmachen von Videos, sondern bietet weitere Funktionen. Dazu gehört ein Trickfilm-Editor, interaktive Rallyes, ein Forum und Wissenssammlungen. Viele Bereiche von juki können auch ohne eine Anmeldung genutzt werden. Für den Video-Upload ist allerdings ein kostenfreier Account nötig:

Anmeldung als Nutzer/in oder Organisation

Auf juki gibt es zwei Account-Arten: Die normalen Benutzer-Accounts für Kinder sowie Accounts, mit denen sich Organisationen anmelden können. Für die erstgenannte Art wird die E-Mailadresse des Kindes sowie die E-Mailadresse der Eltern / Erziehungsberechtigten benötigt. An beide E-Mail-Postfächer wird ein jeweils unterschiedlicher Aktivierungs-Link geschickt. Sobald sowohl das Kind als auch die Erziehungsberechtigten auf diese Links geklickt haben, wird das Benutzerprofil von einem medienpädagogischen Team geprüft. Diese Prüfung bietet laut juki-Redaktion zwar keine hundertprozentige Sicherheit, aber zumindest kann eine oberflächliche Prüfung der angegebenen E-Mailadressen erfolgen.

Den Kindern stehen bei der Anmeldung eine Auswahl vordefinierter Avatar-Bilder zur Verfügung. Das Hochladen eigener Bilder ist nicht möglich.

Juki-Nutzer/innen können sich weiterhin über eine Freundschafts-Funktion mit anderen Nutzer/innen vernetzen und deren Aktivität verfolgen. Außerdem gibt es auf den Profilen eine Pinnwand, auf welcher Nachrichten hinterlassen werden können. Eine Funktion, mit welcher die Nutzer/innen über private Nachrichten in Kontakt treten können, existiert auf der Plattform nicht.

Screenshot: Avatar-Auswahl (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: Avatar-Auswahl (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: pb21.de Organisations-Profil (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: pb21.de Organisations-Profil (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Für Institutionen, Unternehmen oder Vereine besteht durch die Anmeldung mit einem Organisations-Account die Möglichkeit, eigene Videos hochzuladen und sich mit ihrem Profil zu präsentieren. Das Profil wird ebenfalls von der Redaktion nach der Registrierung geprüft und freigeschaltet. Benutzer/innen können dem Organisations-Profil als Fan folgen. Die Nutzung der Freundschafts-Funktion ist mit dem Organisations-Account nicht möglich.

Nutzer/innen können über die Pinnwand des Organisations-Profils in Kontakt treten. Es gibt allerdings keine Funktion, mit welcher man auf Einträge auf der Pinnwand direkt unter dem Eintrag antworten kann.

Das Beispiel-Profil von pb21.de kann hier eingesehen werden.

Lernort YouTube

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Dieser Artikel ist Teil eines #pb21-Themenschwerpunktes.

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Redaktionelle Betreuung und Moderation

Die Video-Community wird nach Angaben der Betreiber/innen von einer medienpädagogisch geschulten Redaktion betreut, die sämtliche Inhalte und Einträge vorab einer Prüfung unterzieht und gegebenenfalls freischaltet oder blockiert: Dies betrifft Profile, Trickfilme, Lexikon- und Foreneinträge sowie alle Kommentare. Bei der Prüfung werden hierbei Jugendschutzrichtlinien für Kinder ab 8 Jahren berücksichtigt sowie das Regelwerk von juki. Dieses untersagt unter anderem die Veröffentlichung persönlicher Daten.

Videos anschauen

Auf der Unterseite Videos werden die aktuellen 30 Topvideos angezeigt. Darunter befinden sich die derzeit beliebsten Videos sowie die Auswahl der verschiedenen Kategorien, wie z. B. Sport, Spaß, Tiere oder Schule. Die Videos sowie die aktuelle Übersicht sind ohne Anmeldung abrufbar.

Screenshot: juki Video-Übersicht (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: juki Video-Übersicht (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Sobald man sich angemeldet hat, befinden sich in der rechten Spalte der Videoübersicht mehrere Reiter. Im Reiter „Du“ können die eigenen Aktivitäten noch einmal nachverfolgt werden. Dies umfasst die Videos, welche man sich angesehen hat sowie auch Rallyes die begonnen wurden und andere Aktivitäten auf juki.

Im Reiter „Freunde“ können die Aktivitäten der Benutzer/innen nachverfolgt werden, mit welchen man sich mit Hilfe der Freundschaftsfunktion vernetzt hat. Außerdem erscheinen hier die Aktivitäten der Organisations-Profile, denen man folgt. Neben Videos, die über diese Profile hochgeladen werden, kann hier ebenfalls nachverfolgt werden, welche Videos geschaut wurden. Eine Option in den Einstellungen, die diese Aufzeichnung der Aktivitäten deaktiviert, existiert derzeit nicht.

Im Reiter „News“ gibt es Neuigkeiten aus der juki-Redaktion.

Videos hochladen, kommentieren und bewerten

Nutzer/innen können Videodateien im AVI-, MOV-, MP4-, MPEG-, FLV- oder 3GP-Format hochladen. Die Videos sollten laut Hilfetext maximal 50 MB groß sein und eine Abspieldauer von 20 Minuten nicht überschreiten. In unserem Praxistest konnte jedoch eine 60 MB große Datei problemlos hochgeladen werden. Nach Angabe der juki-Redaktion handelt es sich bei der Begrenzung lediglich um eine Empfehlung, da ansonsten die Zeit zum Hochladen sehr lange dauert und die Server-Kapazitäten der Plattform schnell ausgereizt seien. Bezüglich „High Definition“-Videos sei die bisherige Server-Leistung derzeit ebenfalls nicht optimal.

Screenshot: Dialog „Video teilen“ für öffentliche Videos (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: Dialog „Video teilen“ für öffentliche Videos (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Beim Hochladen können drei verschiedene Privatsphäre-Einstellungen getroffen werden: „Öffentlich“, „Freunde“ oder „Privat“. Somit steht also – wenn gewollt – der öffentlichen Präsentation von Medienprodukten nichts im Weg. Öffentliche Videos können mit einem Einbettungs-Code in Webseiten eingebunden oder verlinkt werden.

Die hochgeladenen Videos können von anderen Nutzer/innen auf juki auf einer Skala von einem bis fünf Sternen bewertet oder kommentiert werden. Für jedes Video wird eine Statistik über die Zahl der Aufrufe und Bewertungen angezeigt. Im Gegensatz zu Youtube gibt es bei juki allerdings keine ausführlichen Videoabruf-Statistiken.

In der Kommentarspalte rechts haben Nutzer/innen die Möglichkeit die Videos zu kommentieren. Das einzeilige Kommentareingabe-Feld motiviert eher zu kurzen Kommentaren als zu Kommentaren mit mehren Absätzen. Die Kommentare werden vor der Veröffentlichung von der juki-Redaktion geprüft und freigeschaltet.

Screenshot: Einzel-Ansicht eines Videos mit Teilen-, Melden-, Bewertungs- und Kommentar-Funktion (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: Einzel-Ansicht eines Videos mit Teilen-, Melden-, Bewertungs- und Kommentar-Funktion (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Über die Melden-Funktion können Nutzer/innen selbstständig Videos melden, die ihrer Meinung nach gegen die juki-Regeln verstoßen. Hierzu müssen sie eine Begründung in ein Textfeld eintragen. Eine Auswahlmöglichkeit wie bei dem Melden von Youtube-Inhalten existiert nicht.

Trickstudio

Screenshot: Trickstudio-Editor (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot: Trickstudio-Editor (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Das Angebot von juki wird durch ein Trickfilm-Studio ergänzt. Hier können Kinder eigene Comic-Filme erstellen und veröffentlichen. Ihnen stehen hierzu verschiedene Charaktere, Gegenstände, Sound- und Musikeffekte sowie weitere Elemente wie Sprechblasen oder Hintergründe zur Verfügung. Diese können in Szenen platziert und durch das Duplizieren von Szenen animiert werden. Eigene Grafiken oder Audio- bzw. Video-Dateien können nicht im Trickstudio genutzt werden.

Der Trickstudio-Editor kann auch ohne vorherige Anmeldung ausprobiert werden. In diesem Fall entfällt jedoch die Speicher- und Veröffentlichungsfunktion. Angemeldete Nutzer/innen können ihre Filme mit den verschiedenen Privatsphäre-Einstellungen „alle“, „nur meine Freunde“ oder „nur ich“ veröffentlichen.

Weitere Funktionen in der juki-Community

Interaktive Rallyes und Checkpoints, auf juki unter dem Menüpunkt „Nexpedition“ zusammengefasst, sind ein weiterer Bestandteil der Video-Community. Diese beschäftigen sich unter anderem mit den Funktionen von juki, dem Schutz der Privatsphäre im Internet sowie Fragen des Urheberrechts und der Videoproduktion im Allgemeinen. Die Inhalte werden hauptsächlich durch ein Frage-Antwort-Spiel und mediale Inhalte wie Fotostrecken vermittelt. Die Rallyes und Checkpoints können hierbei auch ohne Anmeldung absolviert werden.

Im Lexikon können Nutzer/innen Begriffe aus dem Internet oder der Videoproduktion nachschlagen sowie eigene Einträge anlegen. Für Diskussionen rund um die juki-Community als auch für allgemeine Themen steht ein Forum zur Verfügung. Weiterhin existiert ein moderierter Chat, der unter der Woche zwei Stunden pro Tag geöffnet ist.

Viele Funktionen beinhalten bei juki weiterhin einen Belohnungsaspekt, da Nutzer/innen Punkte für Video-Uploads, Kommentare oder Lexikon-Einträge erhalten.

Fazit – ein Kommentar von #pb21-Autor Matthias Andrasch

Juki bietet eine lohneswerte Möglichkeit, um Kindern erste Erfahrungen in einer geschützten Video-Community zu ermöglichen und Videos öffentlich oder nur für Freunde zu präsentieren. Die ergänzenden Funktionen wie der Trickstudio-Editor bieten ebenfalls ein kreatives Potenzial für erste mediale Arbeiten im Videobereich. Abgerundet wird das Projekt durch die Vermittlung von Wissensinhalten bezüglich der Sicherheit im Internet sowie der Videoproduktion.

Auch für Institutionen, Vereine und Organisationen, die Videos für bzw. mit einer jüngeren Zielgruppe produzieren, bietet sich hier eine interessante Möglichkeit Inhalte im Internet in einer moderierten Umgebung bereitzustellen und in den Austausch mit juki-Nutzer/innen zu treten.

Wer allerdings die Hoffnung hat, die Erteilung von umfassenden Nutzungsrechten anderer Videoportale mit juki umgehen zu können, wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen enttäuscht:

„Durch das Einstellen seiner Inhalte im Videoportal räumt der Nutzer dem DKHW (Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Anmerkung der Redaktion) unabhängig von der Dauer seiner Registrierung/Mitgliedschaft in der Community ein unentgeltliches, einfaches, zeitlich und räumlich unbeschränktes Nutzungsrecht an diesen Inhalten ein. Insbesondere ist das DKHW berechtigt, die Inhalte auch außerhalb der Website www.juki.de auf anderen, von ihm betriebenen Websites einzustellen.“

Nichtsdestotrotz ist juki definitiv einen Blick wert – auch weil es im deutschsprachigen Bereich an Alternativen mangelt hinsichtlich einer altersgerechten Video-Community.  Im Hinterkopf behalten sollte man allerdings auch, dass Google wohl nicht ganz uneigennützig Kinder an die Bedienung einer Video-Community heranführt – schließlich handelt es sich hierbei um die potenziellen Youtube-Nutzer/innen der Zukunft.


Creative Commons Lizenzvertrag Inhalte auf pb21.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Informationen zur Weiterverwendung).
Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Matthias Andrasch studiert derzeit "Medienbildung - Audiovisuelle Kultur und Kommunikation" in Magdeburg. Er greift hierbei auf seine Erfahrung als ausgelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung zurück.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , , , , ,