Lesezeichen-Bibliothek in diigo. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Lesezeichen-Bibliothek in diigo. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Nachdem Ende des Jahres 2010 Yahoo! angekündigt hat delicious verkaufen zu wollen und es schließlich Mitte 2011 von den YouTube-Gründern übernommen wurde, erfuhr der Konkurrent diigo einen großen Zulauf. Die Webapp ist vordergründig ein Werkzeug um Lesezeichen, Bookmarks bzw. Favoriten zu verwalten. Neben Blogpostings oder digitalen Zeitungsartikeln lassen sich auch Bilder und Notizen speichern. Auf den zweiten Blick bietet Diigo aber vor allem interessante Möglichkeiten um Webseiten zu annotieren und die eigenen Gedanken mit „Freunden“ zu teilen. Diigo unterscheidet zwischen der eigenen Bibliothek, dem Netzwerk und Gruppen.

Im Folgenden sollen die Besonderheiten und Nutzungsmöglichkeiten dieses Dienstes genauer vorgestellt werden:

Besonderheiten

  • Bookmarken – Beim Ablegen eines Links („bookmarken“) hat man die Möglichkeit den Link als privat sowie als ungelesen zu kennzeichnen. Letzteres ermöglicht es diesen Link für eine späteren intensiveren Beschäftigung schneller wieder zu finden. Diigo gestattet es außerdem ein aktuelles Abbild der angezeigten Seite zu erstellen („Upload cache“). Gerade bei Seiten mit dynamischen Inhalten kann dies von Vorteil sein, da man später genau auf diese zwischengespeicherte Version zurückgreifen kann. Natürlich kann man den Link auch direkt über Twitter teilen oder einer Gruppe zuordnen (weiter unten mehr).
  • Hervorhebungen – Gerade bei längeren Texten ermöglicht diese Funktion die für einen selbst wichtigen Stellen farbig hervorzuheben.
  • Notizen – Diigo bietet außerdem die Option eine Seite mit Klebezetteln („Sticky Notes“) zu versehen und so Anmerkungen zu hinterlassen. Die Notizen können auch als öffentlich markiert werden.
  • Gruppen – Die Gruppen-Funktion ermöglicht vorgenanntes mit einem selbst bestimmten Nutzerkreis zu teilen. So kann bei der Recherche in einem Seminar solch eine Gruppe helfen alle gefunden Ressourcen zusammenzutragen und gemeinschaftlich mit Hervorhebungen und insbesondere mit Anmerkungen zu bearbeiten.
  • Read it later – Diigo kann insbesondere helfen, angesichts der vielen interessanten Quellen Artikel einfach nur sekundenschell als „read later“ zu markieren oder einfach nur abzulegen und ggf. bei späteren Recherchen dann wieder darauf zu stoßen.
    Dabei hilft auch Folgendes: Bei Installation der diigo-Toolbar integriert sich diigo in die Suchergebnisse. Wenn also ein Suchbegriffe gegoogelt wird, so erscheint über dem ersten Ergebnis ein Hinweis, wenn zu diesem Suchbegriff schon Lesezeichen abgelegt wurden. Mit wachsender Bookmark-Sammlung kommt es immer häufiger vor, dass sich bei Recherchen ein Inhalt, den ich schon einmal als „merkenswert“ eingestuft habe, (wieder) als nützlich herausstellt.

Nutzungsmöglichkeiten

  • Webseite – Die Webseite bietet die Möglichkeit die eigne Bibliothek an Bookmarks (löschen, Tags ändern, anzeigen, usw.), das Netzwerk, Profil und Gruppen zu verwalten sowie die Links aller Nutzer zu durchsuchen.
  • Bookmarklet - Bookmarklets ermöglichen es durch die Verwendung eines JavaScript-Codes die Funktionen des Browsers mit dem Anlegen eines Lesezeichens zu erweitern. Das Bookmarklet von diigo („diigolet“) liefert so die Möglichkeit ohne Installation gefundene Webseiten zu bookmarken, annotieren oder mit Notizen zu versehen.
  • Toolbar – Auch die Toolbar (verfügbar für Firefox und Internet Explorer) erweitert den Browser um diese Funktionen. Zusätzlich bietet es aber eine Sidebar an, die den Schnellzugriff auf die eigenen Bookmarks ermöglicht (gefiltert nach Tags, Listen oder über Suche) sowie Informationen zu einer aufgeschlagenen Seite liefert, also wer sind die Leser dieser Seite und welche Anmerkungen haben sie hinterlassen.
  • Mobiles Endgerät – Diigo hält für iPhone und IPad den “Diigo Brwoser” sowie eine Version namens „Power Note“ für Android parat. Auch hier lässt sich diigo über Bookmarklets in den mobilen Browsern integrieren.

Go Premium?

Auch bei diesem Dienst kann man eine Premiumversion buchen, die einem für einen jährlichen Betrag von 5 Dollar bereits 2000 Hervorheben (kostenlos nur 500/Jahr) bieten. Das Speichern von Abbildern einer Webseite (Cached Page) gibt es erst ab 40 Dollar/Jahr ermöglicht. Für 59 Dollar kann man zudem unlimitiert in PDFs Annotationen vornehmen. Auch eine „Education“-Variante wird angeboten. Allerdings sollte bei der Konzentration auf die Kernfunktionalität – dem Bookmarken – die kostenlose Version völlig ausreichen.

Diigo und Evernote im direkten Vergleich

Feature Evernote Diigo
Ordnung Notizbuch zur Kategorisierung, Tags für ein Stichwortverzeichnis Listen zur Kategorisierung, Tags für ein Stichwortverzeichnis
Communityfunktionen Freigabe von Notizbüchern und Notizen Hinzufügen von „Freunden“ und „Followern“, Erstellen von thematischen Gruppen, Tauschen von Links und Notizen
Offline-Nutzung Ja Ja, aber nur im Zusammenhang mit mobilen Endgeräten wie Smartphone oder Tablet
Mögliche Medien Links, Artikel, Bilder, Audio, Notizen Links, Artikel, Bilder, Notizen
Browser-Plugins Ja, für alle gängigen Browser wie Firefox, Opera, Chrome, Safari und Internet Explorer. Ja, für alle gängigen Browser wie Firefox, Chrome, Safari oder Internet Explorer und darüber hinaus als Diigolet für die Lesezeichenleiste in allen anderen Browsern.
Sonstige Erweiterungen Ja, hier ist eine Liste Ja, hier ist eine Liste
Unterstützte Plattformen Im Browser: Firefox, Internet Explorer, Chrome, SafariAls App: iPad, iPhone, Blackberry, Windows Phone, Web OSAls Offline-Programm auf dem PC und Mac Im Browser: Firefox, Internet Explorer, Chrome, SafariAls App: iPad, iPhone und Android
Angebote für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets Ja, hier ist eine Liste Ja, hier ist eine Liste

Einsatzmöglichkeiten in der pädagogischen Praxis

Der partizipative Seminarreader

Man kann für jedes seiner Seminare ein Notizbuch anlegen, und schließlich den Link an die Seminargruppe weitergeben. Das dort liegende „Echtzeit-Archiv“ ermöglicht jederzeit weitere gefundene Artikel hinzuzufügen. Wenn den Teilnehmenden eigene Zugänge zu Evernote oder Diigo zur Verfügung stehen, können sie selbst ihre Rechercheergebnisse der Gruppe zur Verfügung stellen. Diese Möglichkeit bietet sowohl Evernote als auch Diigo.

Erstellung und Verteilung des Seminarreaders

Listen wiederum lassen sich als Linksammlungen für den Print-Reader bei Diigo ausdrucken. Dabei werden alle erstellten Notizen zu einem Artikel in der Liste mit angezeigt. Bei Evernote kann man Notizbücher dem Seminar als Reader zur Verfügung stellen. Ein Beispiel könnte so aussehen.

Der Seminarreader als Dokumentationsfläche für das Seminar

Es ist auch vorstellbar, den Seminarreader nicht nur mit Hintergrundtexten zum Seminar zu befüllen, sondern auch dazu zu gebrauchen, die gemachten Bilder, die erwähnenswerten Links und andere Seminarergebnisse zusammenzutragen. Diigo bietet dazu für erstellte Listen eine Webschau an.

Vor- und Nachteile digitaler Seminarreader

Vorteile:

  • Der gesamte Seminarreader lässt sich im Volltext durchsuchen. So wird der digitale Reader zu einem nachfrageorienterten Nachschlagewerk.
  • Der Reader macht es technisch möglich auch noch nach dem Seminar tagesaktuelle Bezüge zu den Seminarthemen herzustellen.
  • Es lassen sich unterschiedliche Zugänge zu den enthaltenen Inhalten ermöglichen, z.B. über Kategorien, Schlagworte, Volltextsuche.
  • Der Seminarreader kann auch Interessierten zugänglich gemacht werden, die nicht am Seminar teilgenommen haben, aber beim nächsten Mal dabei sein wollen.

Nachteile

  • Der Zugriff auf den Seminarreader setzt einen Internetzugang voraus.
  • Gewöhnungsbedürftige Kategorisierung und Sortierung von Inhalten.

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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Thomas Bernhardt für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung/Kombination der Artikel „Social Bookmarking am Beispiel diigo“ von Thomas Bernhardt unter der CC BY 3.0 DE Lizenz und „Diigo und Evernote als digitale Materialsammlungen und Seminarreader“ von Guido Brombach unter der CC BY 3.0 DE Lizenz.
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