Was sind FabLabs? Und was haben sie mit (politischer) Bildungsarbeit zu tun?

Foto „maker aus der Medienbildung im Fab Lab Berlin“ von Daniel Seitz unter CC BY SA 4.0.

Foto „maker aus der Medienbildung im Fab Lab Berlin“ von Daniel Seitz unter CC BY SA 4.0.

Teil II der #pb21-Reihe zu Do It Yourself (DIY) und maker-Kultur in der Medienbildung

FabLabs bieten als offene und modulare Arbeits- und Lernorte eine gute Möglichkeit, die ganze Bandbreite an Maker-Themen zu erfahren und die teils sehr teuren Fabrication-Geräte – wie Laser-Cutter – zu nutzen. Deswegen machte die Berliner Veranstaltungsreihe “we are makers” einen exemplarischen Ausflug in ein örtliches FabLab, um Chancen und Kooperationsmöglichkeiten für die (politische) Bildungsarbeit zu eruieren.

Themenschwerpunkt „We are makers!“
Eine #pb21-Reihe zu Do It Yourself (DIY) und maker-Kultur in der Medienbildung.

Weitere Artikel aus dieser Reihe…

Was sind FabLabs?

FabLabs sind ein globales Netzwerk lokaler Labs, die Erfindergeist fördern, indem sie Zugang zu digitalen Fabrikationsmaschinen bieten. FabLabs haben eine ähnliche Grundausstattung von Basisfunktionen, die es erlauben (beinahe) alles herzustellen; dies ermöglicht die Mobilität von Nutzern zwischen den FabLabs und das Teilen von Projekten
aus der Charta der Fablabs

Innerhalb eines Workshops oder regelmäßig stattfindenden OpenLabDays lernt man in einem FabLab Basics im Lasercutten, 3D-Drucken, CNC-Fräsen und der hierfür benötigten Software und Elektronik. Besonders hilfreich ist hierbei die Unterstützung seitens der Werkstattmitarbeiter/innen. So lassen sich innerhalb kürzester Zeit auch ohne Vorkenntnisse gemeinsam Gegenstände schaffen. Der schnelle Erfolg, also das Erlebnis, direkt etwas selbst geschaffenes in den Händen zu halten, motiviert, sich mit den Programmen auseinanderzusetzen und selbstständig weiterzubasteln.

Einhörner und andere nützliche Dinge

Auch für Ungeübte kann der Einstieg in 2D- oder 3D-Visualisierung und -Produktion gelingen. Wer Grafik-Basis-Fähigkeiten wie Umgang mit Vektor-Grafiken verstanden hat, ist imstande, binnen weniger Minuten einen Laser-Cutter zu bedienen – wer diese Kentnisse noch nicht hat, kann an einem der zahlreichen Kurse teilnehmen, um dies nachzuholen. Von der Einführung bis zum fertigen Produkt wird deutlich, wie komplementär die Ziele von FabLabs und Medienbildungsarbeit sind: Produktion und Konsum werden mit ihren gesellschaftlichen Implikationen diskutiert, Menschen werden niedrigschwellig ins Thema eingeführt und dazu befähigt, selbst Hand anzulegen und Dinge umzusetzen. Das ist emanzipatorische Bildungsarbeit im besten Sinne. Dazu wird in FabLabs die Kultur des Teilens (wie) selbstverständlich gelebt. Nach nur 20 Minuten ist es nach neuer Erfahrung der Autor/innen möglich, erste Erfolgserlebnisse zu erzielen. Der Weg zum ersten selbsterzeugten Ring in Gestalt eines Einhorns war kurz:

  • Auf thingiverse.com gibt es zahlreiche freie Dateien, die 2D- und 3D-Objekte beinhalten.
  • Im nächsten Schritt musste die Ringgröße auf den Finger angepasst werden.
  • Anschließend wird die open-source-Software visicut installiert, dazu das Drucker-Profil des FabLab – alles bestens online vorbereitet.
  • Im letzten Schritt noch das Material für den Ring auswählen – und wie man es vom Tintenstrahldrucker zuhause gewöhnt ist – einen Druckauftrag senden und fertig. Den Rest macht die Maschine.
  • Dieses sehr simple Beispiel zeigt auf, wie schnell sich erste Erfolgserlebnisse einstellen können – und welches riesige Potential freie Inhalte und gute Plattformen bieten. Man wird kaum etwas finden, was thingiverse nicht bietet.

FabLabs und Medienbildung?

Mini-Glossar

FabLab = fabrication laboratory, offene Werkstatt für Fabrikation und DIY
DIY = Do It Yourself, der Trend, Dinge wieder selbst zu machen
Laser Cutten = ein Gerät, um per Laser Materialien zu bearbeiten und zu schneiden
3D-Drucker = Geräte, um Schicht für Schicht Gegenstände aus (meist Plastik) zu drucken
CNC-Fräsen = maschinengesteuertes Abtragen von Materialien wie Kunststoff, Holz oder Metall
Vektorgrafik = Grafikformat, das Formen so beschreibt, dass sie zwei-/dreidimensional und in verschiedenen Größen darstellbar sind
Upcycling = Aufwertung von alten Dingen zu nutzbaren / schönen Produkten

In der Diskussion der Teilnehmenden über mögliche pädagogische Anwendungspunkte wird eines deutlich: Der Umgang und das selbst erstellte Ergebnis machen großen Spaß, motivieren, versetzen uns zurück in den früheren „Lego-Rausch“. Uneinig sind sich die Teilnehmenden jedoch bei der Frage, ob FabLabs und Digital Fabrication in die Lebenswelt der Jugendlichen passt. Hier wird dann die Herstellung für Schmuck oder von Weihnachtsgeschenken für die Eltern als Anwendungsmöglichkeit genannt. Wie aus dem digitalen Basteln jedoch ein Konzept für die politische Bildungsarbeit entstehen könnte, bedarf weiterer Auseinandersetzung zwischen FabLabs und den Bildungsakteuren. Auch die Frage, wie mobil Angebote eines FabLabs sein können, um das Thema in den Lebensraum der Jugendlichen zu tragen, ist offen. Erste Gehversuche macht ein Medienzentrum in Köln. Dass das Thema – erst einmal erlebt – für viele Jugendliche sehr spannend sein kann, darüber herschte Einigkeit.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass FabLabs zunächst einmal großen Spaß und zahlreiche Möglichkeiten bringen. Durch die nette und kompetente Betreuung der Werkstattmitarbeiter/innen ist es für alle Gestalter/innen sehr schnell möglich, eigene Produkte herzustellen und den Flow von DIY zu erleben. Damit fördert die Werkstatt nicht nur Kreativität und Innovation. Insbesondere die vielen Anschauungsprodukte und der Austausch mit den anderen Gestalter/innen wirkt inspirierend und trägt dazu bei, sich auch im Alltag des Öfteren zu fragen, ob man manche Dinge nicht einfach selbst herstellen, recyceln, upcyceln könnte. Hier könnten Anknüpfungspunkte im Bereich Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung entstehen. Zudem liefern FabLabs Einblicke in Aufbau, Organisation und den Geist von StartUps und können damit auch Berufsmöglichkeiten aufzeigen. Zu diskutieren bleiben konkrete Anwendungsmöglichkeiten und pädagogische Konzepte für die Bildungsarbeit. Kooperationen der beiden Bereiche versprechen dabei viel Potential.


Creative Commons Lizenzvertrag Inhalte auf pb21.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Informationen zur Weiterverwendung).
Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Tabea Siebertz und Daniel Seitz für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Daniel Seitz lebt in Berlin, hat Mediale Pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.

Kategorien: Artikel, Porträts der Praxis, Praxis & Projekte Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , ,