Soziale Netzwerke, die zweite: Google+, Twitter und Xing

Grafik „Co-authorship network map of physicians publishing on hepatitis C“ von  Andy Lamb unter CC BY 2.0.

Grafik „Co-authorship network map of physicians publishing on hepatitis C“ von Andy Lamb unter CC BY 2.0.

… und ein Blick auf die aktuelle Nutzung (und in die Glaskugel)

Dieser dritte Teil der Artikelreihe stellt Google+, Twitter und Xing kurz vor, beleuchtet die aktuelle Nutzung und wagt einen Blick in die Zukunft.

Google+

… ist Mitte 2011 mit Googles Finanzstärke, Bekanntheit und technischer Infrastruktur im Rücken gestartet. Aktuell gibt das Unternehmen an, weltweit 540 Millionen Nutzer/innen zu haben. In Deutschland wird die Zahl auf 6 bis 9 Millionen geschätzt.

Aktiv ist aber nur ein Teil davon. (Aktiv heißt ein Mal im Monat die Plattform aufzusuchen.)

Das Netzwerk ist übersichtlicher als Facebook, auch was die Datenschutzeinstellungen betrifft – das heißt aber nicht, dass weniger gespeichert wird, Google stellt es nur transparenter dar. Beim Erstellen eines Profils fragt Google genauso wie der Konkurrent nach dem Zugriff auf das E-Mail-Postfach. Google+ hat sich ein bisschen von Twitter inspirieren lassen, man konnte von Beginn an den Beiträgen von anderen folgen, ohne eine Kontaktanfrage stellen zu müssen. Google+ bietet die Funktion „Kreise“, hier lassen sich Kontakte sehr einfach nach Bereichen einteilen. Ebenso wie Facebook bietet Google+ Seiten für Unternehmen und abschließbare Bereiche (Gruppen), hier heißen sie Communitys.

Weiterführend:

de.wikipedia.org/wiki/Google%2B

www.heise.de/thema/Google%2B

Twitter

Twitter ist der populärste öffentliche Kurznachrichten- oder Microblogging-Dienst. Die Anzahl der Accounts deutschsprachiger Nutzer ist im letzten Jahr auf 3,7 Millionen gestiegen, davon twittern ungefähr eine Million aktiv. Wahrgenommen und genutzt wird der Dienst von viel mehr Menschen, was möglicherweise mit der häufigen Erwähnung in den traditionellen Medien zu tun hat. Weltweit gibt es 500 Millionen Nutzerkonten. Der Dienst verzeichnete in Deutschland im letzten Jahr laut ARD/ZDF-Onlinestudie einen Zuwachs von 87 %.

In maximal 140 Zeichen können Nutzer/innen mitteilen, was sie bewegt oder was sie lesen, sehen oder wo sie gerade sind etc. Es handelt sich um einen sehr niedrigschwelligen Dienst, die Anmeldung ist schnell gemacht und die Funktionsweise einfach. Schreiben kann man nur mit Anmeldung, lesen geht auch ohne: Die Nachrichten (Tweets) sind in der Regel für alle auf der Twitter-Homepage lesbar.

Die Nutzung und inhaltliche Ausrichtung ist ebenso wenig festgelegt wie beim großen Bruder, dem Blog: Das Bundeszentrale für politische Bildung twittert zum Jahrestag des Mauerfalls, viele Zeitungen oder Online-Portale machen auf diesem Weg auf neue Artikel aufmerksam, Unternehmen und Organisationen suchen den Kontakt zu ihren Zielgruppen. Kongress-, Streik- oder Demonstrationsteilnehmer berichten live von dem Ereignis. Und es wird zur Zusammenarbeit genutzt, für Projekte werden Gleichgesinnte gesucht, es kann innerhalb kurzer Zeit viel Aufmerksamkeit für ein Thema geschaffen werden.

Weiterführend:

de.wikipedia.org/wiki/Twitter

www.heise.de/thema/Twitter

Xing

Auch Xing kommt wie die anderen hier vorgestellten Netzwerke mit ca. 7 Millionen deutschsprachigen Nutzern (insgesamt sind es etwa 14 Millionen) mit gehörigem Abstand hinter Facebook. Dieses Netzwerk ist ein rein berufliches, es dient dazu, geschäftliche Kontakte zu knüpfen, Leute zu rekrutieren oder sich umgekehrt potenziellen Arbeit- oder Auftraggebern vorzustellen. Es können (Experten-)Gruppen gegründet werden. Eines der Hauptmerkmale ist das Sichtbarmachen des Kontaktnetzes.

Weiterführend:

https://de.wikipedia.org/wiki/XING

http://www.heise.de/thema/Xing

Aktueller Stand plus Glaskugel: Was ist aktuell so los und wie geht es weiter?

Statistisch gab es in letzter Zeit wenig Spektakuläres zu berichten: Die Internetnutzung insgesamt steigt nur noch mäßig, weil die meisten bereits Zugang zum Netz haben. Die Sozialen Netzwerke verzeichnen bei den Älteren noch Zuwachs, die allermeisten jüngeren Nutzer sind bereits bei einem oder mehreren Netzwerken angemeldet.

Es gab aber einen Ausreißer bei den Zahlen: 2013 schnellte die durchschnittliche Nutzungszeit, nachdem sie jahrelang bei gut zwei Stunden lag, hoch auf knapp 170 Minuten pro Tag. Grund dafür ist die (auch jetzt immer noch zunehmende) Nutzung mobiler Endgeräte. Immer mehr Zeit also wird mit Medien verbracht. Die Onlinestudie 2013 hat außerdem herausgefunden, dass es möglicherweise einen Trend zur Passivnutzung gibt: Das Kommentieren etc. ist leicht rückläufig, eine Entwicklung die man weiter beobachten sollte.

Und die Sozialen Netzwerke? Zwar gibt es schlechte Presse für den Umgang mit personenbezogenen Daten und Geheimdienste greifen nachweislich auf Nutzerdaten zu. Plattformen wie WhatsApp sind aber trotz aller Kritik sehr erfolgreich. Es gab und gibt Versuche, dezentral organisierte Netzwerke zu schaffen, die den Nutzer/innen jederzeit volle Kontrolle über ihre Daten geben. Keiner der Versuche war bislang so richtig erfolgreich, aktuell umwirbt beispielsweise ello Nutzer/innen. Kritiker zweifeln daran, dass ohne das Öffentlichmachen von Kontaktlisten und anderen Daten, also ohne auswertbare Informationen – zum Beispiel für Empfehlungen – so ein Netzwerk funktionieren kann.

Bleibt noch das Geschäftsmodell: Wie verdient so ein Netzwerk Geld, wenn nicht mit Werbung? Es gibt unterschiedliche Ideen dazu, beispielsweise sollen Zusatzfunktionen wie Analyse-Tools bezahlt werden, oder besonders aktive Nutzer sollen von ihren Inhalten mit profitieren, was dann wieder mehr Leute an das Netzwerk binden soll.
In nächster Zeit wird sich zeigen, ob genug Leute bereit sind, gewohnte Umgebungen zu verlassen, also die Erkenntnis „Du bist nicht Kunde, Du bist das Produkt“ auf Dauer Folgen für das Nutzerverhalten und die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Netzwerk haben wird.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung des Artikels „Merkmale Sozialer Netzwerke II: VZ-Netze und Xing“ von Ute Demuth unter der CC BY 3.0 DE Lizenz.Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

Kategorien: Dienste & Werkzeuge, Soziale Netzwerke & Communities Schlagworte: , , , , , ,