Webcasting leicht gemacht – Teil II: Die Auswahl des richtigen Webcasting-Anbieters

Foto „Webcasting zu Hause“ von XXX unter CC BY 3.0.

Foto „Webcasting zu Hause“ von Maria-Christina Nimmerfroh unter CC BY 3.0.

Online-Vorträge und -Diskussionen in der Bildungsarbeit

Ton ab, Kamera läuft – was Fernsehsender können, können die Akteure der politischen Bildung auch. Im ersten Teil unseres Webcasting-Workshops ging es um Konzeption, Akteure und Darstellungsformen. Im zweiten Teil gehen wir sozusagen auf Sendung und kümmern uns darum, wie unsere Ideen ins Internet kommen. Wir stellen Ihnen bekannte Anbieter von Webcasting-Lösungen vor und geben Tipps bei der Auswahl.

Die Anbieter unterscheiden sich im wesentlichen durch ihren Leistungsumfang und die Preismodelle. Auch jede Anwendung zur „Sendeleitung“ erfordert Einarbeitung, die von den Anbietern durch entsprechende Tutorials unterstützt wird. Die meisten Systeme lassen sich kostenlos testen, bevor man sich zu einem Vertrag entschließen muss.

Die bekanntesten Anbieter für komplette Webcasting-Lösungen sind Adobe Connect, Cisco webex, Edudip und make.tv. Keine Komplettlösung, aber inzwischen weit verbreitet ist Google Hangout on Air, auch damit lassen sich Webcastings durchführen. Nicht ganz einfach ist, dass beim Webcasting noch zusätzlich die Begriffe Webmeeting (für Online-Konferenzen) und Webinare (für Online-Seminare) verwandt werden, die nicht alle Anbieter einheitlich belegen. Da kann man dann nur genau hingucken, welche einzelnen Leistungen darunter verstanden werden. Bevor man es ausprobiert hat, ist es schwierig, den eigenen Bedarf richtig zu ermitteln. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Akteure mit der Steuerungsanwendung gut zurecht kommen und dass die Hauptziele des Webcastings (z.B. sehr viele Personen mit einer Live-Sendung erreichen oder kollaborative Instrumente nutzen) erreicht werden können. Um Ausprobieren und Testen kommt man in der Regel nicht herum.

Unterschiede bestehen zwischen den Anbietern bzw. Preismodellen darin, wie viele Zuschauer gleichzeitig das Webcast verfolgen können, wie groß das fertige Video sein darf, wie oft ein Webcast durchgeführt werden kann und welche Funktionen angeboten werden, z.B. in Bezug auf die Interaktion mit den Teilnehmern oder auf Privatsphäreeinstellungen. Bei allen Anbietern gibt es verschiedene Varianten der Zulassung von Zuschauern: Sie können den Webcast generell für alle Internet-Nutzer zugänglich machen oder Sie können einzelne Zugänge vergeben, wenn Sie nur für einen bestimmten Personenkreis senden möchten. In den meisten Fällen müssen die Zuschauer, auch wenn der Webcast öffentlich ist, eine kurze Anmeldeprozedur durchlaufen, die in der Regel daraus besteht, dass man einen selbstgewählten Benutzernamen auswählen muss. Das kann bei nicht sehr internetaffinen Gruppen problematisch sein, die eigentlich einfach nur das Video sehen wollen. Es sollte auf jeden Fall getestet werden, ob die Zielgruppe diese technischen Hürden auch überwinden würde und es müsste auch überlegt werden, wie man das den Teilnehmern am besten kommuniziert. Das Ansehen des Videos im Nachhinein kann dann so gestaltet werden, dass keine Zugangsdaten mehr eingegeben werden müssen. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl des geeigneten Anbieters sind die sog. Embedding-Funktionen: Es gibt praktisch zwei Varianten. Bei einigen Anbietern, z.B. make.tv, ist es möglich, das Fenster, in dem die Videos dargestellt werden, komplett in die eigene Webseite zu integrieren, dadurch hat der Nutzer tatsächlich das Gefühl, da sendet der Akteur der politischen Bildung selbst, es sieht alles so aus, wie der Nutzer es auch von anderen Besuchen der Webseite gewöhnt ist (das nennt man Embedding-Lösung, so wie man das auch von Youtube- oder Vimeo-Videos kennt). Die meisten Webcasting-Hoster stellen allerdings die Sendung in eigenen Browser-Fenstern dar, so dass der eigentliche Anbieter der Inhalte nicht sofort erkennbar ist.

Screenshot „pb21-WebTalk – so sieht es aus“ (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot „pb21-WebTalk – so sieht es aus“ (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Adobe Connect

Adobe Connect ist eine Online-Konferenzlösung, die über sehr viele Funktionen verfügt: Neben dem Anzeigen von Videos und Präsentationen können hier die Teilnehmer auch gemeinsam an Dokumenten arbeiten (z.B. auf interaktiven Whiteboards). Die Steuerung des Webcasts erfolgt entweder über Software, die am Arbeitsplatzrechner der „Sendeleitung“ installiert wird (bei größeren Lösungen) oder aber einfach über den Browser als Webanwendung. Bei Adobe Connect muss der Zuschauer sich das Webcasting auf einem Server, einer anderen Web-Umgebung ansehen. Er wird per Link vom Anbieter dorthin geführt, verlässt aber auch optisch die Seite des Anbieters. Adobe Connect bietet keine Embedding-Lösung an, wo das Videofenster in die eigene Webseite integriert wird.

In der günstigsten Variante kostet die Nutzung von Adobe Connect ungefähr 40 Euro pro Monat. Es gibt aber auch die Möglichkeit, pro Nutzer pro Minute zu bezahlen (im Oktober 2014 betrug der Preis dafür 0,32 US-Dollar).

Hier finden Sie eine Aufzeichnung einer Schulung zum Organisieren und Durchführen von Online-Events mit Adobe Connect vom 06.02.2012 von e-teaching.org.

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Cisco webex

Cisco bietet unter dem Produktnamen „webex“ verschiedene Systeme an, von denen das einfachste eine Online-Konferenzlösung darstellt, bei der Videos und Präsentationen übertragen werden können und auch Werkzeuge zum gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten zur Verfügung stehen. Im Mittelpunkt steht hier die Online-Umsetzung von realen Meetings, also die Zusammensarbeit gleichrangiger Teilnehmer. Darüberhinaus gibt es noch spezielle Lösungen für Veranstaltungsübertragungen und Online-Schulungen. Cisco webex wird in der Webmeeting-Variante auch nur über den Browser gesteuert und kostet – je nach Leistungsumfang – ungefähr 40 Euro pro Monat.

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Edudip

Edudip ist eine Plattform für live übertragene Online-Seminare und ist auf den Bildungskontext spezialisiert. Die Besonderheit besteht hier darin, dass hier – wenn das gewünscht ist – die Online-Veranstaltungen auf der Plattform öffentlich angekündigt werden und von Nutzern auch bewertet werden können. Für Dozenten bietet Edudip außerdem die Zahlungsabwicklung bei kostenpflichtigen Seminaren an. Edudip wird über den Browser gesteuert und bietet hier sowohl Videos und Präsentationen an als auch Whiteboards zum gemeinsamen Arbeiten. Allerdings können immer nur zwei Akteure gleichzeitig im größeren Bildausschnitt angezeigt werden, damit ist es für Gespräche mit drei oder mehr Personen eher nicht geeignet. Auch bei Edudip – wie bei Adobe Connect – müssen die Zuschauer zum Empfang des Webcasts die Internet-Seite wechseln und sich auch auf der neuen Seite wieder anmelden bzw. einen Benutzernamen wählen. Eine Embedding-Lösung ist hier nicht vorgesehen.

Das Webcasting kostet hier etwa 25 Euro pro Monat, eine kostenlose Variante ermöglicht Webcasting für bis zu 50 Teilnehmer.

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Make.tv

Bei make.tv handelt es sich um eine auf die Übertragung von Live-Videos spezialisierte Lösung, die professionellen Fernsehübertragungen am nächsten kommt. Es können mehrere Quellen, also mehrere Kameras, Videos und Tonquellen zusammengeschaltet werden. Die Handhabung der Steuerung ist ähnlich wie die Regie in einem Fernsehstudio, bei dem die Quellen gemeinsam oder im Wechsel angezeigt werden können. Die Einbindung von Präsentationen ist möglich, aber nicht ganz einfach.

Die Zuschauer können sich per Text-Chat oder auch per Audio oder Video beteiligen. Die Steuerung erfolgt über eine Webanwendung. Das Videofenster kann bei make.tv direkt in die eigene Webseite integriert werden, dadurch hat der Nutzer tatsächlich das Gefühl, da sendet der Akteur der politischen Bildung (das nennt man Embedding-Lösung, so wie man das auch von Youtube- oder Vimeo-Videos kennt).

Bei einer kostenlosen Variante können bis zu 30 Minuten pro Tag live gesendet werden, die Tarife für unbegrenzte Sendezeit beginnen bei etwa 10 Euro pro Monat.

Screenshot „Hangout Mlab“ (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot „Hangout Mlab“ (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Google Hangout on Air

Google Hangout ist ein Videochat-Tool mit dem bis zu zehn Teilnehmer miteinander kommunizieren können. Die Erweiterung Hangout on Air erlaubt die öffentliche Live-Übertragung eines Hangouts.  Dazu benötigt man einen Google-, einen Google+ und einen YouTube-Account, nachdem man diese drei Accounts miteinander verknüpft hat, kann man mit seinen Hangouts “on Air” gehen, die Hangouts werden live und immer öffentlich im YouTube-Kanal ausgestrahlt und aufgezeichnet. Bis zu zehn Referenten lassen sich zusammenschalten. Der Inhaber des Hangouts kann steuern, welcher Referent im Bild zu sehen sein soll und Ton und Bild der anderen Accounts steuern. Über Zusatzfunktionen lassen sich z.B. individuelle Bauchbinden einblenden, Fragerunden starten oder die Bildfarbe anpassen. Referenten können ihren Bildschirm freigeben und so auch eine Präsentation zeigen, allerdings sieht man dann nicht mehr das Videobild des Referenten. Hier kann man sich mit einem kleinen Trick behelfen: die Präsentation wird über einen weiteren Account eingebunden und von dem Produzenten gesteuert. Nun kann der Produzent auch zwischen einer Präsentation und dem Videobild des Referenten hin- und herschalten.

Für die Referenten gibt es einen internen Chat der nicht für die Teilnehmer sichtbar ist, für die Zuschauer gibt es leider keine integrierte Chatmöglichkeit. Hierfür muss man auf Zusatzlösungen zurückgreifen.

Die Anbieter unterscheiden sich im wesentlichen durch ihren Leistungsumfang und die Preismodelle. Auch jede Anwendung zur „Sendeleitung“ erfordert Einarbeitung, die von den Anbietern durch entsprechende Tutorials unterstützt wird. Die meisten Systeme lassen sich kostenlos testen, bevor man sich zu einem Vertrag entschließen muss.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Mit unterschiedlichen Systemen? Der Konzeption von Webcasts? Und der Resonanz der Zuschauer? Teilen Sie anderen Ihren Erfahrungen mit!

In der Reihe „Lernen mit YouTube & Co“ sind bisher erschienen:


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Blanche Fabri für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung des Artikels „Webcasting leicht gemacht – Teil II: Die Auswahl des richtigen Webcasting-Anbieters“ von Maria-Christina Nimmerfroh unter CC BY 3.0 DE Lizenz.
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Freiberuflerin im Bereich Medien und Kommunikation, Dozentin in der Erwachsenenbildung insbesondere im Bereich politische Bildung, Web 2.0 und Videotraining, Producerin von (Web-)Videos und anderen Web 2.0 Inhalten.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , , , , , ,