3D-Drucken und (Ge)Schenk-Kultur

Foto „warten auf den 3D-Druck“ von Tabea Siebertz unter <a title="zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode">CC BY SA 4.0</a>.

Foto „warten auf den 3D-Druck“ von Tabea Siebertz unter CC BY SA 4.0.

Teil IV der #pb21-Reihe zu Do It Yourself (DIY) und maker-Kultur in der Medienbildung

3D-Druck wird unsere Gesellschaft, unsere Konsum- und unsere Geschenkkultur verändern. Durch die potentiellen Fabrikationsmöglichkeiten in jedem Zuhause wird ein veränderter Zugang zu Konsumgütern deutlich und do-it-yourself möglich und im Alltäglichen gefördert.

Erneut treffen wir uns zu unserer Veranstaltungsreihe „We are makers!“ und wieder haben wir das Ziel, unseren 3D-Drucker fertigzustellen. Zudem können wir auf einen 3D-Drucker zurückgreifen, der in der Jugendmedienarbeit eingesetzt wird und werden dabei die sich verändernde Geschenk-Kultur reflektieren.

Wenn 3D-Drucker drucken, entstehen faszinierende, dreidimensionale Werkstücke jeglicher Form. Am Anfang steht die Wahl eines Objekts und dessen digitale Visualisierung über eine Modellierungs-Software.

Themenschwerpunkt „We are makers!“
Eine #pb21-Reihe zu Do It Yourself (DIY) und maker-Kultur in der Medienbildung.

Weitere Artikel aus dieser Reihe…

Phase I – Visualisierung und Modellierung

Wer gleich selbst visualisieren möchte, dem stehen eine Reihe an freien Tools, viele davon mit guten Anleitungen im Netz, zur Verfügung. Zum Einstieg haben wir uns mit Open SCAD beschäftigt, um einen Lego-Stein zu gestalten. Die Lernfortschritte haben mehrere Stunden eingenommen – ganz ohne Grundverständnisse von Programmieren und Design geht es nicht – dafür steht am Ende ein eigenes, individuelles Objekt anstelle eines Objekts „von der Stange“.
Als freie Software empfehlen sich unter anderem:

Alternativ zur eigenständigen Visualisierung gibt es Plattformen wie www.thingiverse.com, auf der man sich bereits visualisierte Objekte herunterladen, selbst erstellte hochladen und mit der Community teilen kann. Aktuell beliebt sind jegliche Objekte rund um Winter/Weihnachten/Schnee und diverse Geschenkboxen.

Filament (Druckmaterial für den 3D-Drucker),

Foto: “Filament (Druckmaterial für den 3D-Drucker)” von Tabea Siebertz unter CC-BY-SA 4.0.

Im nächsten Schritt braucht es nun weitere Software, um das Modell zu optimieren, zu positionieren und in einzelne druckbare Schichten zu zerlegen wie zum Beispiel Slic3r (open-source). Zuletzt wird das Filament – also das Druckmaterial in Form einer Spule – oberhalb des Druckers befestigt. Dieses ist in allen Farben und unterschiedlicher Elastizität zu finden. Der Drucker erhitzt nun das Material und spritzt es auf ein (je nach Material erhitztes) Bett, aus vielen feinen Schichten entsteht das zuvor entworfene Objekt.

Phase II – der 3D-Druck:

Zu der heutigen Veranstaltung hat ein Teilnehmer einen 3D-Drucker von MakerBot mitgebracht, so dass ein Teil der Gruppe direkt mit dem Druck starten kann, während weitere Teilnehmende sich um die Funktionsfähigkeit des Makibox kümmern. Als ersten Gegenstand druckt der Drucker eine vom System vorinstallierte Schrauben-Mutter-Kombination, um einen Beweis für die eigene Funktionsfähigkeit zu erbringen. Währenddessen visualisieren wir ein erstes Objekt, einen Lego-Stein. Als größte Herausforderung stellt sich hierbei die Geometrie heraus: zunächst muss ein Rechteck, dann vier kleine Zylinder visualisiert werden. Daraufhin wird das Objekt gedreht, mit Hilfe zweier weiterer Zylinder entsteht der nötige Hohlraum. Nach der Festlegung der korrekten Positionierung auf der Druckplatte werden die Daten per SD-Karte an den Drucker übermittelt und es entsteht ein blauer Lego-Stein:

Ein blauer Legostein aus dem 3D Drucker

Foto: “Das Endergebnis: Ein blauer Legostein.” von Ilona Buchem

3D-Druck in der Jugendmedienbildung?

3D-Drucker selbst zusammenbauen?
Schon vorletztes Jahr hat Mediale Pfade einen 3D-Drucker von Makibox per Kickstarter mitfinanziert und das Projekt nach langer Zeit ohne Fortschritt in der Produktion erst einmal abgeschrieben. Irgendwann kam dann doch die Benachrichtigung und schließlich 2014 auch der Drucker – zum selbst zusammenbauen. Das haben wir in unserer allerersten „We are makers!“-Veranstaltung auch versucht und sind sehr spät abends unverrichteter Dinge nach Hause gegangen. Aufgebaut und angeschlossen war der Drucker, allein er druckte nicht. Dieses Mal sind wir entscheidende Schritte weiter gekommen – und scheiterten doch am letzten Schritt: Der Kalibrierung des Druckbettes. Unsere dringende Empfehlung: Am günstigsten für die Bildung sind nicht die billigsten Drucker – und Selbstbau benötigt tiefergehendes Know-How.

Auch wenn es 3D-Drucker nun sogar schon bei namhaften Kaffee-/Textilhändlern gibt, günstig sind sie trotzdem (noch) nicht. Inklusive Filament ist man schnell mit ein paar hundert bis tausend Euro dabei. Zudem gestaltet sich der Zugang für den Consumer leider nicht niedrigschwellig. Selbst wenn man sich für einen bereits zusammengebauten Drucker entschieden hat (was zu empfehlen ist), bedarf es bestimmter Kompetenzen: Der Umgang mit Modellierungs- und Slicer-Software will gekonnt sein, andernfalls benötigt es einige Zeit, bis die Grundfunktionen verstanden werden. Zudem bedarf es einiger mathematischer Fähigkeiten, wie beispielsweise der Grundkenntnis geometrischer Figuren, um ein Modell digital zu visualisieren. Das Drucken eines eigens visualisierten Gegenstands fordert vom User damit vor allem eines: Geduld. Bringt man diese und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen mit, ist es ein tolles Erlebnis, dass sich (fast) alles selbst herstellen lässt.

Und damit sind wir auch schon bei der wichtigsten Erkenntnis: 3D-Drucker sind Werkzeuge. Sie lassen sich toll in viele Handlungsfelder integrieren, sind aber nicht selbst das medienpädagogische Handlungsfeld. So lassen sich die Drucker nutzen, um Lust auf mathematische oder informatische Themen zu wecken, Kindern und Jugendlichen ein Basiswissen über Räumlichkeit zu vermitteln oder Diskussionen zu DIY, Konsumgütern oder Recycling anzustoßen. Auch zum Thema – veränderte Geschenk-Kultur – konnte die Gruppe Positives beobachten: Neben dem Machen ist gerade der veränderte Blick auf Konsum das große Geschenk. Die Möglichkeit, alles reparieren oder selbst herstellen zu können eröffnet so neue Lernräume. Für diese Freiräume ist es jedoch elementar, dass Jugendliche – nach einer genauen Erklärung der Rahmenbedingungen – selbst machen können, wie sie wollen.

We are makers, eben.


Creative Commons Lizenzvertrag Inhalte auf pb21.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Informationen zur Weiterverwendung).
Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Tabea Siebertz und Daniel Seitz für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Daniel Seitz lebt in Berlin, hat Mediale Pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.

Kategorien: Artikel, Porträts der Praxis, Praxis & Projekte Schlagworte: , , , , ,