OER-Matrix: eine Systematik zu den Ausprägungen von Open Educational Resources

Ausschnitt aus dem Video „OER-Matrix“

Ausschnitt aus dem Video „OER-Matrix“ (siehe unten)

Wofür steht das „open” in „Open Educational Resources“ (OER)? Und ab wann sind OER überhaupt „educational“? Gibt es „ein bisschen offen“ oder „bedingt educational“?

Jöran Muuß-Merholz stellt in diesem Video eine Matrix vor, in der verschiedene Ausprägungen von OER systematisch eingeordnet und mit 20 Beispielen illustriert werden. Unter dem Video finden Sie als ergänzende Informationen den „Notizzettel“, weiterführende Links und die Credits zum Video – selbstverständlich als OER.

Video „OER-Matrix: eine Systematik zu den Ausprägungen von Open Educational Resources (V2.0 vom 18.12.2014)“ von Jöran Muuß-Merholz für pb21.de unter CC BY 4.0

Legende zur Matrix

  • sa-Gebot / nc-Gebot: Die für OER überwiegend genutzten Creative Commons Lizenzen existieren in verschiedenen Varianten, in denen die Weiternutzung jeweils an Auflagen gebunden ist. Diese stellen entsprechend Einschränkungen der Offenheit dar:
    • nd = keine Bearbeitung – eine sehr große Einschränkung der Offenheit
    • nc = nicht-kommerzielle Nutzung – eine  ziemlich große Einschränkung
    • sa = Weitergabe von Bearbeitung unter gleichen Bedingungen – einerseits eine große Einschränkung, andererseits langfristig eine Maßnahme zur Sicherung der Offenheit
  • Dateiformate:
    • Größtmögliche Offenheit bieten quelloffene Standards für Bürodokumente wie z.B. .odt für Texte, .ods für Tabellen, .odp für Präsentationen und .odg für Vektorgrafiken.
    • Dem gegenüber stehen proprietäre Formate wie z.B. .doc oder nicht-bearbeitbare Formate wie .pdf, durch die Nutzenden die Bearbeitung erschwert wird.
  • Zwischen „offen“ und „frei“ wird im Dokument eher intuitiv als systematisch unterschieden.

Begleitende Überlegungen

  • Ausgangspunkt ist die immer wieder aufkommende Frage „Was genau meint OER?“ bzw. die Forderung: „Man müsste sich erst einmal auf eine präzisere Definition einigen, bevor man über Details sprechen kann.“
  • Dem wird hier ein anderer Ansatz gegenüber gestellt:
    • Es gibt unterschiedliche Verständnisse und unterschiedliche Ausprägungen von OER, heute und in Zukunft.
    • Diese Ausprägungen lassen sich beschreiben und mithilfe der im Folgenden vorgestellten Matrix in das weite Feld von OER einordnen.
  • 1. Open 2. Educational  3. Resources:
    • Für die nähere Bestimmung von 1. Open 2. Educational  3. Resources wurden schon anderenorts Differenzierungen von 1. Open beschrieben.
    • An dieser Stelle soll zusätzlich die Breite der Verständnisse von 2. Educational integriert werden.
    • Keine Abstufung wird hingegen zum dritten Bestandteil des Begriffs, den 3. Resources, vorgenommen. Es wird zur Vereinfachung davon ausgegangen, dass die Materialien ausreichend durch Differenzierung von 2. Educational beschrieben sind.
  • Es wird also eine Matrix mit (zunächst) zwei Skalen skizziert:
    • 1. horizontal der Grad der Offenheit („open“)
      • von ganz offen / frei bis ganz geschlossen
      • Häufig wird die Offenheit in a. technischer und b. urheberrechtlicher Hinsicht beschrieben. Es gibt aber mindestens noch eine weitere Ebene, nämlich die c. „Zugänglichkeit“, also accessibility. Damit ist zum einen die Barrierefreiheit für Menschen mit Einschränkungen gemeint. Zum anderen kann das auch die Maschinenlesbarkeit umfassen – also die Möglichkeit, dass Computer die Daten lesen und auswerten können.
    • 2. vertikal der Grad der Didaktisierung der Materialien („educational“)
      • von explizit für Unterricht bis gar nicht explizit für Lernzwecke gedacht
    • Abstufungen zwischen den jeweiligen Polen:
      • Je grüner (bzw. je weiter links / oben),
        desto enger das Verständnis von OER.
      • Im roten Bereich (bzw. weit rechts / unten)
        würde kaum jemand von OER sprechen.
      • Kein Konsens herrscht über den großen Bereich dazwischen.

Hintergrund-Überlegungen

  • Details zur Skala der 1. Offenheit:
    • Die Skala der Offenheit ist bei genauerem Hinsehen nicht ganz linear. Im Anschluss an David Wiley könnte man 5 verschiedene Freiheiten prüfen, nämlich Retain (Speichern), Reuse (Weiternutzung), Revise (Bearbeitung), Remix (Neu-Zusammenstellung) und Redistribute (Weitergabe auch bearbeiteter Kopien).
    • Einschränkungen in der Verwendung ergeben sich in der Praxis häufig dadurch, dass es explizite Vorgaben gibt wie das Creative Commons Modul NC (nicht-kommerziell) oder durch Anmerkung „nur für Unterrichtszwecke“.
    • Ein zweischneidiges Schwert ist das CC-Modul SA (Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Hiermit wird zwar gewährleistet, dass das Material weiterhin frei bleibt, aber kurzfristig wird dafür die Möglichkeit zur Nachnutzung eingeschränkt.
    • Merkmale wie „kostenlos“  oder „kommerziell“ kommen bewusst nicht vor. Sie sind meist nur „Nebenwirkung“, aber nicht zwingend. Es ist ja vorstellbar, dass man auch für ganz offene Inhalte Geld verlangt. Bezahlt wird dann z.B. die Prüfung von Qualität und Zuverlässigkeit, der Service der Bereitstellung oder auch die Dienstleistung der Anpassung oder Zusammenstellung  von Inhalten, z.B. für eine konkrete Klassenstufe in einem konkretem Bundesland.
  • Gerade in der horizontalen Skala sind noch weitere Kombinationen denkbar, die aber in der Praxis kaum eine Rolle spielen.
  • Quer dazu ließe sich nach Einsatzort / Zielgruppe unterscheiden,
    • z.B. a. Lernen in der Schule, b. außerschulisch, c. in der Hochschule, d. in der Ausbildung, e. in der Weiterbildung oder f. informell.
    • Damit ließe sich ein drei-dimensionaler Würfel erstellen. Dies mag für eine umfassende Beschreibung hilfreich sein. In diesem Fall wurde die dritte Dimension nicht eingeblendet, da in ihr keine Skala mit zwei Polen vorliegt, sondern nur ein Raster mit mehreren Kategorien (also eine Nominalskala).

Credits

  • Hier die Vorläufer, die bei der Erstellung diese Matrix eine Rolle gespielt haben:
    • Eine erste Version der Matrix hat der Autor 2012 auf dem OERcamp in Bremen vorgestellt.
    • In Bezug auf die Skala zur Offenheit hat Jan Neumann bei der OER-Konferenz 2014 eine Unterscheidung in „hochpotente OER“ und „niedrigpotente OER“ vorgeschlagen (vgl. Vortragsvideo bei 16’25 / Folien).
    • Schon 2009 hatte David Wiley in seinen Überlegungen zu „Defining Open“ verdeutlicht, dass Offenheit kein Entweder-Oder darstelle. Wiley veranschaulicht das anhand einer Tür, die weit offen stehen oder nur einen Spalt breit geöffnet sein kann. Bei dieser Tür, bei einem offenen Fenster, einem offenen Auge oder einem offenen Wasserhahn kann von unterschiedlichen Graden der Offenheit gesprochen werden, nach denen die Möglichkeit der Nutzung unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
    • Die Grafik inklusive Farbverlauf ist inspiriert durch die Darstellung zur Nachnutzbarkeit von Damian Duchamps 2012.

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Der Artikel (Text) sowie das Video auf dieser Seite stehen unter der CC BY 4.0 Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Jöran Muuß-Merholz für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation.

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